Jüdischer Friedhof Endingen/Lengnau

Endingen / Lengau (Kanton Aargau / CH)
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinden und ihres Friedhofes

In den beiden Dörfern im Surbtal bestanden vom 17. bis 19. Jahrhundert die einzigen jüdischen Gemeinde im heutigen Gebiet der Schweiz, wo in dieser Zeit eine dauerhafte Niederlassung möglich war. Bis um 1800 gehörten diese Dörfer zur Markgrafschaft Baden, danach zum Kanton Aargau. In Lengnau werden Juden zum ersten Mal 1622, in Endingen 1678 genannt. Der Erwerb von Boden und das Handwerk war den Juden auch hier bis zum 19. Jahrhundert verschlossen. So lebten sie vom Hausier-, Vieh- und Liegenschaftshandel. 1844 gab es alleine in Endingen 44 Viehhändler, in Lengnau 15. 1850 lebten noch 1515 Juden in den beiden Dörfern. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging ihre Zahl durch Wegzug in die Städte stark zurück. 1920 wurden noch 263 Juden in den beiden Dörfern gezählt, 1980 waren es insgesamt nur noch drei jüdische Familien.

Zunächst wurden die aus den Gemeinden Endingen und Lengnau verstorbenen Juden in einem Friedhof auf einer kleinen Insel im Rhein bei Koblenz beigesetzt ("Judenäule"). Die Insel hatten die Juden der Grafschaft Baden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Stadt Waldshut gepachtet. Da sie jedoch mehrfach überflutet und verwüstet worden war, baten die Surbtaler Juden 1750 um Anlage eines Friedhofes in der Nähe ihrer Gemeinden.

Das "Judenäule" wurde 1812/13 von den Gemeinden Lengnau und Endingen "für ewige Zeiten" erworben. Die Chewra kadischa dieser Orte besuchte an einem bestimmten Tag einmal im Jahr die Gräber und sorgte für deren Instandhaltung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hörte diese Fürsorge auf. Seitdem verfielen die Grabsteine nach und nach oder wurden von den umliegenden Bewohnern zu Bauzwecken entwendet. In den 1920er-Jahren waren noch drei Steine aus den Jahren 1690, 1699 und 1708 vorhanden. Durch die 1954/55 geplante Rheinregulierung wurden die Toten aus über 80 Gräbern exhumiert und auf dem Endinger Friedhof beigesetzt. Auch die noch erhaltenen Grabsteine wurden dort aufgestellt.

Für die Anlage eines Friedhofes konnten die Juden von Endingen und Lengnau 1750 ein Grundstück in der Mitte zwischen den beiden Dörfern zum Preis von 340 Gulden erwerben. Die ältesten Grabstätten liegen im südöstlichen Bereich des Friedhofes in Richtung Lengnau. Der Friedhof wurde mehrfach erweitert. Durch eine Regelung von 1859 gehörten der israelitischen Gemeinde Lengnau zwei Fünftel, der israelitischen Gemeinde Endingen drei Fünftel des Friedhofsgrundstückes. Der 1963 erworbene neue Friedhofsteil ist im Eigentum des "Vereins für Erhaltung der Synagogen und des Friedhofes Endingen-Lengnau" und umfasst eine Fläche von 48,64 a.

Zu den Besonderheiten des Friedhofes gehört, dass die Gräber in Nord-Südrichtung angeordnet sind. Männer und Frauen wurden in getrennten Reihen begraben. Insgesamt sind über 2700 Personen auf dem Friedhof beigesetzt. Seit dem 19. Dezember 1963 steht der Friedhof mit Beschluss des Regierungsrates des Kantons Aargau unter Denkmalschutz. Seit Jahren sind die meisten der auf dem Friedhof Beigesetzten verstorbene Bewohner des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheimes in Lengnau

Homepage der Gemeinde Lengnau

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Fotografien von Grabsteinen des Friedhofs Lengnau (AG)
aufgenommen von Manfred Hüfner Sommer 2006

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Gedenktafel Judenäule
Grabstein jüdischer Friedhof Lengnau
Grabstein jüdischer Friedhof Lengnau
Bild links: Grabsteine von der ehemaligen "Judenäule", die auf den Friedhof von Lengnau verbracht wurden.
Grabstein jüdischer Friedhof Lengnau
Grabstein jüdischer Friedhof Lengnau
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