Südkurier 2006 Tiengen (hüf) Am 22. Oktober 1940 endet die jüdische Geschichte in Tiengen. Damals holte die Gestapo die letzten verbliebenen Juden ab. Einzig der Friedhof und einige Tafeln in der Stadt erinnern heute noch an die gut 400 Jahre jüdischen Lebens in Tiengen. Ein Freundeskreis will nun im Heimatmuseum mit einer Dauerausstellung daran erinnern. Jetzt traf er sich erstmals nach seiner Gründung im katholischen Pfarrsaal, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Magdalena Bucherer, eine der Initiatorinnen, begrüßte hier gut ein Dutzend Interessierte, darunter Dieter Petri. Als Autor des Buches über die Tiengener Juden hatte ihn das Hochrhein-Gymnasium in Waldshut für einen Vortrag eingeladen. Im Anschluss daran besuchte er die Veranstaltung des Freundeskreises. Petri zeigte sich erfreut, dass nun im Heimatmuseum das Thema "Tiengener Juden" gezeigt werden soll. In einem ersten Schritt müssten dafür Anregungen gesammelt werden, so sein Vorschlag. Der Bürgerzunft, die das Museum betreut, "soll das aber nicht aufs Auge gedrückt werden". Grundsätzlich müsse sie selbst darüber entscheiden, welche Räume wie zu verändern sind. Petri selbst will für seine beratende Tätigkeit kein Honorar verlangen, wenn er sein "Wissen beisteuert". Ansprechpartner müsse der Freundeskreis vor Ort sein, stellte er fest. Die Ausstellung "soll keine Gedenkstätte, sondern ein Museumsteil sein", so Petri. Er zitierte aus einem Brief von Christof Söffge, der mit der jüdischen Gemeinde in Basel deshalb Kontakt aufgenommen hatte. Demnach könnten einige Themenschwerpunkte gesetzt werden. Angefangen bei Urkunden und Informationen über die hebräische Druckerei könnte sich der Bogen bis zur Gleichberechtigung im 19. Jahrhundert ziehen. Der aus Tiengen stammende Rabbiner Hugo Hahn, Verweise auf Geschäfte in der Stadt, die Rolle jüdischer Bürger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wären ebenfalls Themen, genauso wie jüdische Bräuche und der Brückenschlag nach Israel zu ehemaligen Tiengenern. Petri berichtete außerdem von neuen Dokumente, die er erhielt. Dabei handelt es sich unter anderem um zwei Predigten des evangelischen Pfarrers, die von 1935 und 1938 datieren. Darin teilte er seiner Gemeinde zum Beispiel seinen Beitritt zur "Bekennenden Kirche" mit. An Material für die Ausstellung dürfte es nicht mangeln. Bei dem Treffen kursierten Fotografien, Briefe und andere schriftliche Zeugnisse, die Petri entgegen nahm. Hauptaufgabe für den Freundeskreis wird jetzt erst einmal das Sammeln von Spendengeldern sein. Mit Kosten von bis zu 10 000 Euro rechnet Bucher. Mit einem Prospekt will der Freundeskreis daher in der Bevölkerung für die finanzielle Beteiligung an dem Projekt werben. Bucher betonte aber: "Die Bürgerzunft verwaltet die Spenden und stellt Spendenquittungen aus". Foto: Der Freundeskreis für die Darstellung jüdischer Geschichte im Tiengener Heimatmuseum bei der Sichtung von Fotos. Stehend rechts Autor Dieter Petri, Mitte unten Magdalena Bucher, eine der Initiatorinnen. Foto: Hüfner . | ||||||||
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Südkurier 2006 (2) Tiengen (hüf) Auf ein erfreuliches Interesse stößt der "Freundeskreis für die Darstellung jüdischer Geschichte im Tiengener Heimatmuseum". Beim Treffen im katholischen Pfarrsaal waren diesmal 26 Interessierte anwesend. Magdalena Bucher und Martina Bucher-Nezirovic, die beiden Initiatorinnen, teilten mit, dass die Zahlscheine für den Spendenaufruf inzwischen fertig sind. Demnächst soll ein Prospekt entworfen werden, der dann mit den Überweisungsträgern in den örtlichen Geschäften ausgelegt wird. Außerdem beginnen die Vorbereitungen für die Feiern de 1150-jährigen Bestehens von Tiengen im Jahr 2008. Für den Festumzug können sich die Beiden vorstellen, mit einer Gruppe das jüdische Leben darzustellen. Zur Vorbereitung der künftigen Ausstellung im Heimatmuseum wandte sich Bucher inzwischen an den Fürsten von Schwarzenberg. Sie hofft, hierfür Dokumente und Unterlagen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Beim nächsten Treffen Anfang Mai wird es eine Filmvorführung geben. Filmemacher Hermann Ohnheiser aus Weilheim will Aufnahmen vom Besuch eines ehemaligen Tiengeners zeigen, der von den Nazis vertrieben wurde und vor einigen Jahren seine frühere Heimat noch einmal besuchte. Weitere Filmaufnahmen dokumentieren den Abbau der Mauer am Seilerbergweg, die mit jüdischen Grabsteinen errichtet worden war. Dazu kommen die Errichtung des Denkmals auf dem jüdischen Friedhof und die Einweihung mit dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Einige der Interessierten schlugen vor, sich mit der Aktion "Stolpersteine" zu befassen. Ziel ist es, "den ein oder anderen Stolperstein in Tiengen anzubringen", beschrieb einer von ihnen den Wunsch. "Das wird beim ein oder anderen Hausbesitzer auf Unverständnis stoßen", waren sich die Beteiligten bewusst, hielten es aber für notwendig, auf das frühere jüdische Leben hinzuweisen. "Wir müssen es in die Stadt bringen, dass Gesichter dazu kommen und man sieht, wo was war", hieß es dazu. Manfred Emmerich berichtete in seinem Vortrag über die jüdische Tradition Tiengens. So ist sie selbst in einer Strophe des Tiengener Narrenmarschs zu entdecken. 1835 war die Blütezeit der jüdischen Gemeinde mit einem Bevölkerungsanteil von 14 Prozent. Emmerich nahm eine Analyse der Wahlen in der Zeit von 1928 bis 1933 vor und ging auf die Kontroverse ein, mit der die Anbringung einer Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge über die Jahre hinweg verbunden ist. Infokasten: Etwa 10 000 Euro sind erforderlich, um im Heimatmuseum in Tiengen eine Ausstellung über das frühere jüdische Leben zu zeigen. Dafür wirbt der Freundeskreis nun um Spenden. Überweisungen sind gewünscht auf das 770 211 45 bei der Sparkasse Hochrhein, BLZ 684 522 90, dem Konto der Bürgerzunft Tiengen 1503. Als Verwendungszweck bitte angeben: Spende für die Darstellung der jüdischen Gemeinde im Heimatmuseum. . | ||||||||