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Infos zu Fundstellen und Museen:.
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Sauriermuseum Frick

Frick (hüf). Wer glaubt, den »Jurassic Parc« gibt es nur in Hollywood, der sollte einmal dem Sauriermuseum in Frick einen Besuch abstatten. Im Dino-Dorf bei Laufenburg sind nämlich zwei dieser Riesenechsen, Plateosaurus mit Familiennamen, daheim, und das seit 220 Millionen Jahren.
Gerade 40 Jahre ist es allerdings her, seit ihre ersten Spuren aus den Buntmergelschichten wieder ans Tageslicht traten. Mitverantwortlich dafür war Ernst Wälcheli, Laborchef der Tonwerke Frick, in dessen Tongrube sich eigenartige bläuliche Gesteinsbrocken häuften. Er stellte fest, dass es sich hier um versteinerte Knochenstücke handelte. Seine Buben entdeckten dann noch zusammenhängende Skelettreste und schließlich fanden 1976 die ersten wissenschaftlichen Grabungen statt. Rund um Trossingen waren schon früher ähnliche Knochenreste aufgetaucht und so stellte die wissenschaftliche Zuordnung keine Schwierigkeiten mehr dar: Was sich in der Fricker Tongrube fand, waren die Reste von Plateosauriern. Sie sind die Vorfahren von Tyrannosaurus Rex & Co.
Etwas länger als die heute noch lebenden Riesenkrokodile, rund 60 Zähne je Kiefer, sind sie wohl dennoch Pflanzenfresser gewesen, die mit den kräftigen Klauen ihrer Vorderbeine nach vegetarischer Nahrung gruben. Zu dieser Zeit war die Region ein riesiges wüstenhaftes Tiefland mit flachen Hügeln und weiten Senken, in denen sich immer wieder Seen bildeten, um die sich eine Vegetation halten konnte. Anscheinend waren die Plateosaurier in Herden unterwegs, um an diesen Wasserstellen die Pflanzen abzuweiden. Manch einer der Urzeitungetüme blieb dabei wegen seines großen Gewichts von etwa drei Tonnen im morastigen Untergrund stecken und konnte sich daraus nicht mehr befreien. Schlamm deckte seine Überreste zu und die Fossilisation erhielt sie schließlich bis in unsere Zeit.
Ein solcherart versteinertes Plateosaurus-Skelett kam 1984 zutage und ist nun im Sauriermuseum Frick in seiner Fundlage ausgestellt. Dabei handelt es sich übrigens um das einzige vollständig erhaltene Saurierskelett, das bisher in der Schweiz gefunden wurde. Das zweite Saurierskelett von Frick, ebenfalls ein Plateosaurus, kam erst vor zwei Jahren ins Museum. Allerdings stammen seine Knochen von insgesamt drei Tieren, die zu einem Vollständigen zusammen montiert sind. Demnächst erhält die Ausstellung noch den Schädel eines Fischsauriers, der gerade präpariert wird. In den Tonschichten der Tongrube warten aber noch andere Fossilien auf ihre Entdeckung. Spätere Erdzeitalter lagerten die Überreste von Fischen, Muscheln, Seelilien, Ammoniten, Belemniten und Schwämmen ab. Im Sauriermuseum von Frick sind deshalb auch solche Fundstücke ausgestellt.
Das Museum, das übrigens gerade sein zehnjähriges Bestehen feiert, bietet jedoch noch mehr. In einem Videoraum gibt es einen Film über die Funde zu sehen und selbst einen gut bestückten Museumsshop gibt es. Besucher werden dort übrigens nicht mit einer Unzahl von Informationstafeln überhäuft, sondern können sich in Ruhe den ausgewählten Fundstücken widmen. Für den Rundgang durch die beiden Stockwerke in einer umgebauten Turnhalle steht das Museumspersonal bereit. Eine Besonderheit, die wohl so nirgends mehr geboten wird, ist der Besuch der Fundstätte. Hier können Hobby-Paläontologen in der Tongrube selbst auf die Jagd nach Fossilien gehen.


Das Sauriermuseum Frick erreicht man mit dem Auto am besten über Laufenburg (Schweiz). Die Anfahrt führt über mächtige Hügel, die fossilführende Schichten enthalten. In Frick bietet die Hauptstraße eine Orientierung. Von ihr zweigt eine Nebenstraße ab, auf die kleine braune Schilder mit dem Hinweis »Sauriermuseum« aufmerksam machen. Nach der Maschinenfabrik Müller ist das »Schulhaus 1912« mit einem großen Pausenhof zu sehen. Blaue Saurierfußabdrücke weisen dort den Weg zum Eingang ins Untergeschoss. Vom Bahnhof Frick aus ist das Museum etwa fünf Minuten entfernt.
Das Sauriermuseum (Telefon 0041-62-8 65 28 06) hat das ganze Jahr über jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Gruppen können sich bei der administrativen Leiterin Monica Rümbeli unter 0041-62-8 71 53 83 anmelden. Der Eintritt kostet für Erwachsene drei Franken, für Schulkinder einen Franken.
Der Besuch der Tongrube Frick sollte bei den Tonwerken Keller (CH-5070 Frick, Telefon 0041-62-8 71 22 34, Fax 8 71 22 71) angemeldet werden. Sie gibt auch Auskunft über die Bedingungen für das Betreten der Fundstätten. Sie liegt direkt hinter dem Bahnhof Frick. Weitere Informationen bietet das Internet unter »www.sauriermuseum-frick.de«.

Foto: Aus den Überresten von drei Tieren ist dieses Skelett eines Plateosauriers im Sauriermuseum von Frick zusammengesetzt.

Stand: August 2001
Plateosaurier im Sauriermuseum Frick; Aufnahme: Manfred Hüfner



Die Saurier von Waldhaus

Kreis Waldshut/Waldhaus (hüf). Am Hochrhein gibt es Saurier! Keine Plastikmonster, wie in Steven Spielbergs Filmen »Jurassic Park« und »Vergessene Welt« oder vielen Kinderzimmern, sondern echte »Donnerechsen« aus Haut und Knochen.
Täglich muß mit neuen Entdeckungen gerechnet werden, seit im Herbst 1998 bei der Brauerei Waldhaus ein Dogerner Hobbyforscher auf ihre Spuren stieß. Zwar war in einem Steinbruch bei Unteralpfen in der Mitte des letzten Jahrhunderts das Fragment eines lurchähnlichen Tiers gefunden worden, doch das wurde 1942 durch Kriegseinwirkungen zerstört. Der Hobbyforscher Franz Falkenstein war eigentlich an bestimmten Mineralien interessiert, als er den Buntsandstein in der Baugrube der Brauerei Waldhaus entdeckte und den Stein auf eine kupferhaltige Schicht hin untersuchte; Stand doch in den Fachbüchern, daß die ältesten Ablagerungen des Erdmittelalters, dem unteren Trias, nur sehr selten Fossilien enthalten würden. Um so erstaunter war Falkenstein, als er eines Sonntagmorgens auf Rollmarken, Schleifspuren und Knochensplitter stieß. Ein starker Gewitterregen hatte nämlich Lehm und Staub von der Gesteinsoberfläche fortgewaschen.
Beim Öffnen einiger Blöcke entdeckte er dann ihm unbekannte Knochenteile, woraufhin er das geologische Landesamt in Freiburg informierte. Von dort machten sich sofort mehrere Wissenschaftler auf den Weg nach Waldhaus, um die Fundstätte in Augenschein zu nehmen. Damit war das Problem der Präparation, das Falkenstein am meisten beschäftigte, jedoch noch lange nicht gelöst. Über mehrere Stationen gelangte er schließlich an den Stuttgarter Wirbeltierforscher Ruprecht Wild, der auf das Erdmittelalter spezialisiert ist. Er besuchte Falkenstein in Dogern und mit ihm den Fundort und die geborgenen Fossilien, die er zur Präparation und wissenschaftlichen Untersuchung in sein Institut mitnahm.
Die Sensation war perfekt, als bei der Präparation zuerst der Wirbel und dann noch ein Hüftknochen eines »Rauisuchier« freigelegt waren. Damit war der weltweit älteste Nachweis dieser Tiergruppe erbracht. Bei dem »Rauisuchier« handelt es sich um eine Tierart, die bereits ein Übergangsstadium vom Krokodil zu den Dinosauriern darstellt. Es war laut Falkenstein ein schnelles Raubtier, das kleineren Amphibien im Uferbereich als Beutetieren nachjagte. Genau dieser Übergangs- oder Uferzone hatte der Bagger in Waldhaus angeschnitten und somit dem aufmerksamen Hobbyforscher ein Fenster ins Erdmittelalter geöffnet.
Bis jetzt sind neben dem »Rauisuchier« mindestens drei weitere Arten in dem Gestein identifiziert. Das ist einmal der »Nothosaurus«, ein Meeressaurier, dann ein »Stegocephalia«, ein Dachschädellurch. Vom Giraffenhalssaurier »Tanystropheus antiquus« fand Falkenstein die Überreste eines Babys, das jedoch Bagger stark beschädigt hatten. Unter den in Waldhaus gefundenen Fossilien befinden sich Platten mit Trockenrissen, den Einschlägen von Regentropfen, Wellenrippel, Fußabdrücke von Krebsen, Pflanzenreste und Grabgänge von Würmern, die ein Bild der damaligen Natur vermitteln.
Inzwischen ist Falkenstein weiteren Sauriern auf der Spur. In der Gegend von Detzeln und im weiteren Steinatal gräbt er jetzt nach neuen Sauriern. Dabei stieß er auf die Panzer- oder Brustplatte eines Reptils, fand zahlreiche Knochen, den Flossenstachel eines Haifischs, sowie zahlreiche Fischzähne. Die kannte er bereits aus Waldhaus, aber auch von Fundstellen in Remetschwiel und Berau. Zahlreiche Kisten mit den Überresten der Saurier lagern derzeit in Stuttgart, die freigelegt werden müssen. Welche Sensationen in den Sandsteinbrocken noch schlummern, muß sich jetzt zeigen.

Stand: August 1999
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Das Weidende Rentier als Strichzeichnung

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Wo die Eiszeitjäger wohnten

Das »Kesslerloch« bei Schaffhausen

Von Manfred Hüfner

Wer von Schaffhausen nach Singen mit dem Auto auf der Schnellstraße unterwegs ist, dem wird dort, wo sich Bahnstrecke und Straße kreuzen, die Hinweistafel »Kesslerloch« auffallen. Es handelt sich um eine Höhle, oder besser einen Felssturz mit zwei Eingängen.

Ihren Namen hat sie vermutlich von Kesselflickern, die sie als Unterschlupf benutzt haben sollen. Ein kleiner Parkplatz ist kurz nach der Ausfahrt am Straßenrand zu finden und ein paar Stufen am Rande des Fulachtals führen hinunter zu einer eiszeitlichen Wohnstätte. Zwei gähnende Eingänge zur Höhle blicken dunkel aus dem Felsen hervor, ein leicht seitlich verschobener natürlicher Stützpfeiler ist zu sehen, etwas urwaldähnliche Vegetation und zahlreiche Feuerstellen von Besuchern, die hier mit Bratwurst und Dosenbier ein wenig Pfadfinderidylle heraufbeschworen.
Keine Höhlenbewohner

13 000 bis 14 000 Jahre ist es her, da blakten hier erstmals Flammen, erhellte Feuerschein, von menschlicher Hand entzündet, die Höhlenwände aus Kalkstein. Rentierjäger der ausgehenden Altsteinzeit hatten die Höhle in Besitz genommen, schlugen hier ihr Quartier auf. Meist nur vorübergehend, denn keinesfalls, so sind sich die Archäologen inzwischen einig, handelte es sich bei den Steinzeitmenschen des »Kesslerlochs« um Höhlenbewohner. Ihr Leben spielte sich vor allem auf dem Platz vor der Höhle ab und nur zum Schlafen und bei schlechtem Wetter zogen sie sich unter den Felssturz zurück.
Im Freien hielten sie nach erfolgreicher Jagd ihren Festschmaus ab, sangen, nahmen religiöse Handlungen vor und gingen dann wieder auseinander. Kleine Gruppen von 20 bis 30 Personen müssen es gewesen sein, die sich hier trafen, um als große Jägergruppe auf die Pirsch zu gehen. Fast 50 verschiedene Tierarten erlegten sie dabei, wie sich bei den Ausgrabungen anhand der Knochenfunden feststellen ließ. Beliebtes Jagdwild waren Schneehasen und Rentiere, aber auch Pferde und Schneehuhn, wie die von den Eiszeitjägern zurückgelassenen Knochen zeigen. Als gemeinsame Jagdgruppe, die sich aus den einzelnen Kleingruppen zusammensetzte, war es den Jägern außerdem möglich, sich an Großwild heranzuwagen. Gemeinsam erlegten sie Tiere wie Mammut, wollhaariges Nashorn, Bison, Bären und Wölfe. Dabei kam ihnen für Treibjagden gelegen, dass die Umgebung viele enge Täler besitzt, denen die Jagdbeute entlangwandern mußte oder zur Tränke kam. Wenn so der Eindruck entsteht, die steinzeitliche Jägergruppen hätten sich nur von Fleisch ernährt, so ist das nach Ansicht der Fachleute falsch. 60 bis 70 Prozent der Nahrung war rein pflanzlich und davon sind ebenfalls Spuren gefunden worden.
Weitere Entdeckungen warten noch

Außer dem Kesslerloch kennt man heute noch eine Reihe von Rentierjäger-Stationen und Siedlungsplätze, die in nächster Nähe zur Höhle liegen. Um die 15 werden es sein, schätzt Kantonsarchäologe Markus Höneisen. Die beiden bedeutendsten sind der Petersfels bei Singen, von dem Fundstücke im Freiburger Colombi-Schlößchen zu sehen sind, sowie der paläolithische Rastplatz Schweizersbild im Herblingertal bei Schaffhausen. Letzterer war vor rund 19 000 Jahren Nistplatz für Raubvögel, bevor die Rentierjäger kamen. Vor 8000 Jahren wurde er schließlich als Bestattungsplatz genutzt und heute dient er als Kletterfelsen für Bergsteiger. Unter zahlreichen Hangabbrüchen in der Region, verursacht durch Erosion, vermuten Archäologen weitere Siedlungsspuren der späteiszeitlichen Menschen.
Viele der von den Eiszeitjägern hergestellten Geräte und Werkzeuge haben sich erhalten, besonders im Kesslerloch, da sie hier unter dem Höhlendach vor den Witterungseinflüssen über Jahrtausende hinweg geschützt waren. Zahlreiche halbfertige, mißratene und weggeworfene Stücke fanden die Ausgräber, so dass sich ihr Herstellungsprozeß nachvollziehen läßt. Geschoßspitzen in den unterschiedlichsten Formen, Harpunen und Werkzeuge aus Geweihknochen fanden die Ausgräber. Dazu kamen Speerschleudern, Nadeln und Schmuckanhänger. Weitaus zahlreicher sind jedoch die Steinwerkzeuge, vorzugsweise aus Feuerstein, der in der Region häufig vorkommt und in vielen Steinbrüchen offen liegt.
Brünstig und nicht Weidend

Bekannt wurde das Kesslerloch aber durch die Kunstwerke seiner Bewohner: Wildpferdeköpfe waren es, auf den Enden von Speerschleudern sorgfältig geschnitzt, dazu der Kopf eines Moschusochsen und Fischdarstellungen. Auf Schiefertafeln ritzten die Künstler jener Zeit Motive und benutzten selbst Knochenreste für ihre Darstellungen. Weit über die Region hinaus ist das »weidende Rentier« bekannt. Sorgfältig in ein Geweihfragment gearbeitet, weisen die Kleinigkeiten der Ritzzeichnung auf die besondere Beobachtungsgabe der Jäger hin. Auch für Zoologen ist die Darstellung aufschlußreich. Sie konnten ein männliches Tier darin erkennen, das zwar eine gebückte, aber keine weidende Haltung einnimmt. Es sei schlichtweg brünstig und auf der Spur eines Weibchens, so die Erkenntnis der Fachleute. In Schweizersbild fand sich dazu so etwas wie ein Pendant. Hier laufen männliches und ein weibliches Rentier hintereinander her und stützen die Erkenntnis der Zoologen.
Kinder als Kunstfälscher

Über den Wert der künstlerischen Objekte gab es lange Zeit erbitterte Diskussionen, denn es war vielen Archäologen nicht einsichtig, dass Menschen aus »primitiven« vorzeitlichen Kulturen schon solche Fähigkeiten beherrschten. Nicht ganz unschuldig an jenen Bewertungen ist ein Vorfall, der sich bei den Ausgrabungen des »Kesslerlochs« zutrug. Zwischen 1874 und 1903 ließen dort Jakob Nüesch und Jakob Heierli in drei Etappen graben. Sie belohnten ihren Helfern besondere Fundstücke mit Prämien und so blieb es nicht aus, dass sich einer von ihnen ein besonderes Zubrot verschaffte. Er gab Kindern Originalknochen und ließ sie darauf Zeichnungen einritzen. Als diese Kinderzeichnungen eines Fuchses und eines Bären dann in Fachpublikationen erschienen wurde ein Experte stutzig, denn ihm kamen die Motive bekannt vor. Schließlich fand er sie in einem Bilderbuch seiner eigenen Kinder, das als Vorlage für die Fälschungen verwendet worden war. Diese Erkenntnis stellte schließlich die gesamte Eiszeitkunst infrage und es dauerte lange, bevor sich wieder Wissenschaftler mit diesem Thema befassen sollten. Immerhin machte diese Fälschergeschichte das Kesslerloch weltweit populär. Für die Fundstücke hatte das aber zur Folge, dass zuerst einmal kein Interesse mehr am Erwerb der Sammlung bestand. Schließlich kamen dann große Bestände der ersten Grabungsperiode für den Betrag von um die 5 000 Mark nach Konstanz, darunter das »weidende Rentier«. Dort gehören sie zum öffentlich ausgestellten Bestand, aber die derzeitige bauliche Situation im Rosgarten-Museum läßt nicht zu, die Exponate zu zeigen. Andere Fundstücke aus dem Kesslerloch sind heute bis nach Neuseeland gestreut.
Dennoch gibt das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen einen guten Überblick. In dem ehemaligen Kloster sind neben Steinwerkzeugen zahlreiche der geschnitzten filigranen Kunstwerke ausgestellt. Das »weidende Rentier« ist als Kopie zu sehen, doch eine Reihe der in Schaffhausen befindlichen Stücke gibt es hier im Museum zu betrachten.
Pionierleistung der Museumspädagogik

Eine Besonderheit stellt das dortige Diorama dar. Mit ihm wurde ein Stück Museumsgeschichte geschrieben, war es doch eines der ersten seiner Art. Statt nur Exponate, aufgereiht in Schaukästen, zu zeigen, ging der damalige Museumsdirektor andere Wege. Er beauftragte einen Deutschen Bühnenbildner, die »Schaffhauser Urlandschaft« zu gestalten. 1939 arbeitete der zusammen mit Museumstechnikern und Wissenschaftlern fünf Monate, bis das Höhleninnere perfekt aus Hasendraht, Holzgerüst und Pappmaché nachgebildet war. Um Feuerstelle und Arbeitsplatz gruppierte der Bühnenbildner ein paar Cro-Magnon-Menschen, die Pfeile und Feuersteinklingen herstellen. Das Novum in der Museumslandschaft hatte aber nur kurzen Bestand. 1944 fielen wegen einer Verwechslung Bomben aus amerikanischen Flugzeugen auf Schaffhausen und das Museum, die eigentlich einer deutschen Stadt galten. Die Restaurierung der Kunstlandschaft war allerdings möglich, zumal nur der hintere Bereich des Dioramas wirklich beschädigt war.
Inzwischen sind die Drahtgitter durchgerostet und in den nächsten Jahren ist nach Ansicht des Kantonsarchäologen eine Restaurierung nötig. Höneisen, der hier selbst Führungen abhält, weist die Besucher gerne darauf hin, dass die Darstellung und die Erläuterungen dazu nicht mehr auf dem aktuellsten Stand der Forschung sind. Für eindeutig falsch hält er inzwischen die Gletscher und Eisreste im Hintergrund, wo ein paar äsende Rentiere die Szenerie beleben. Damals am Ende der Eiszeit hätten schon Temperaturen geherrscht, wie wir sie heute kennen. Insofern ist das fehlende Beinkleid der dargestellten Rentierjäger eher an der Realität, obwohl zu jener Zeit schon Hosen bekannt waren. Überhaupt ist die dargestellte Fellbekleidung hypothetisch und könnte wesentlich feiner gewesen sein. Zudem sei es eher üblich gewesen, dass sich die Menschen vor der Höhle aufgehalten hätten.
Vor dem Eingang zum Diorama ist ein eiszeitlicher Werkplatz aufgebaut. Wie bei den Ausgrabungen aufgefunden, sind um einen Steinblock herum zahlreiche Splitter verstreut, die bei der Herstellung von Werkzeugen und Klingen aus Feuerstein entstehen.


Infos:

Museum Allerheiligen:
Klosterplatz 1, CH-8200 Schaffhausen, Telefon 00 49 52 / 6 25 43 77.
Geöffnet: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Von Mai bis Oktober Samstag und Sonntag durchgehend von 10 bis 17 Uhr.
Eintritt frei, außer Spezialausstellungen und denen des Kunstvereins.
Exponate vom Paläolithikum bis in die Völkerwanderungszeit. Diorama »Kesslerloch« und Rekonstruktion eines Gebäudes aus der Pfahlbausiedlung Thayingen. Hallstatt-Gräber, alemannische und römische Funde , sowie Fundstücke aus den auch als Abfallgruben verwendeten Klosterlatrinen.
Mehrere mittelalterliche Klosterräume, Handschriften aus der Gründerzeit von 1064, Schatzkammer, Objekte der Zunft- und Stadtgeschichte, Originalausstattung von Räumen aus Bürgerhäusern, zahlreiche Modelle und Maschinen zu den Anfängen der industriellen Entwicklung.
Kunstabteilung mit Werken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, sowie wechselnde Ausstellungen des Kunstvereins.
Naturkundliche Abteilung Geologie und Biologie mit Fossilien, Pflanzen und Insekten, Entstehungsgeschichte des Rheinfalls.

Literatur:
Zahlreiche Veröffentlichungen befassen sich mit den Ausgrabungen und Funden. Im Museum selbst liegen Bücher und Kataloge zur Ansicht aus. Unter der Woche bietet sich ein Besuch in der nahegelegenen Stadtbibliothek an, die einen sehr umfangreichen Bestand verschiedener, vormals eigenständiger Büchersammlungen besitzt.

Rundwanderung:
Für Wanderer gibt es die Möglichkeit, einen etwas mehr als vierstündigen Rundweg abzulaufen, der zu insgesamt sieben archäologischen Fundstätten führt.
Mit dem Autobus Nummer 6 geht es vom Bahnhof zum Halt »Sandlöchli«. Dort ist die Autobahn zu unterqueren, und in einem kleinen Wäldchen liegt die Fundstätte »Schweizersbild«. Beim »Dachsenbühl« liegt in Felsbändern eine Bestattungshöhle der Jungsteinzeit, in der 1874 die Reste von mindestens sieben Personen gefunden wurden. Von dort geht es weiter in Richtung Schloß Herblingen nach Norden, von der dortigen Hauptstraße in Richtung Autobahn. In der »Grüthalde« auf der rechten Seite des Fulachtals wurde 1938 eine jungsteinzeitliche Landsiedlung entdeckt. An der Eisenbahnstrecke orientiert , geht es in nordöstlicher Richtung weiter zum »Jägerhalt« mit steinzeitlicher Grabstätte auf der Gemarkung »Vorder Eichen«. Von dort aus sind es nur wenige Minuten bis zum »Kesslerloch«. Zurück zur Straßenunterführung und unter der DB-Strecke hindurch, geht es durch den »Finsterwald« nach Weier, wo in der Ebene ein Moordorf stand. Von dort aus müssen wir wieder zurück in Richtung Schaffhausen durch die Fluren »Unterholz« und das »Gwölb«. Direkt an der Grenze zu Deutschland sind im Bereich »Langergeten« um 1850 herum 15 Grabhügel aus der Hallstattzeit ausgegraben worden. Über den »Solenberg« wandern wir dann wieder ins Herblingertal, wo der DB-Bahnhof uns erwartet.

Stand: Februar 2000

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Felsschlucht im Albtal (Lkr. Waldshut)
Eiszeitliche Gletschermühle am Rhein bei Albbruck (Lkr. Waldshut)
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