© Manfred Hüfner; Menhir bei Degernau, Heimatmuseum Hüsli, SBB-Bahnhof Jestetten, Hohentengen, Tiengen, Leibstadt
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Auf vielfache Nachfrage sind hier meine Glossen aus SÜDKURIER und Alb-Bote zum nochmaligen Lesen zugänglich. Sie umfassen die Jahre 2006 und 2007 in bunter Reihenfolge und thematisch unsortiert.

Die Texte sind weder redigiert, noch auf Orthografie geprüft.

Bitte Copyright beachten!


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Doppelgänger

Irgendwer hat einmal behauptet, jeder Mensch besitze einen Doppelgänger. Ob das stimmt, lässt sich wohl schwerlich nachprüfen. Anders verhält es sich bei Ortsnamen. Die sieben Ortsteile der Gemeinde Klettgau jedenfalls sind mindestens im Doppelpack in der Bundesrepublik vertreten. Dass Erzingen noch einmal im Zollernalbkreis existiert, dürften zumindest schon die Besucher des Nachtumzugs an Fasnacht erfahren haben. Grießen kann seit der Öffnung der Mauer ein Pendant bei Cottbus vorweisen. Dass Bühl gleich mehrfach auf der Landkarte zu finden ist, überrascht eigentlich nicht, führt aber die Liste der Namensgleicheit mit 25 Nennungen in Deutschland an. Geißlingen liegt im Bayrischen und Weisweil im Breisgau. Riedern existiert auch am Wald, doch insgesamt bestehen zwölf Orte mit diesem Namen. Etwas weniger sind es bei Rechberg. Doubletten finden sich bei Schwäbisch Gmünd, im Allgäu und bei Nürnberg.

Der Wilde Osten

Im Osten gehen die Uhren etwas anders - genauer gesagt: Im Osten des Landkreis Waldshut. Das erfuhren jetzt Sylvia Döbele und Martin Albers. Sie kamen gerade einmal fünf Minuten zu spät zur Sitzung des Zweckverbands "Klettgauwasserversorgung". Im Rathaus in Erzingen steckten Vertreter der anderen beteiligten Gemeinden bereits am Ende des zweiten Tagesordnungspunkts von Dreien.
Dettighofens Bürgermeister Gerhard Riedmüller stellte nämlich Punkt 16 Uhr den Antrag, mit der Sitzung zu beginnen. Wirklich bedurft hätte es dieser Aufforderung wahrscheinlich nicht, denn ob Bürgerversammlung oder Gemeinderat, die Sitzungen unter Leitung von Klettgaus Bürgermeister Volker Jungmann beginnen immer pünktlich. Diese als Höflichkeit all denen gegenüber, die sich danach richten.
Das hielt Döbele aber nicht davon ab, ihrer Verärgerung Luft zu machen. "Der Weg von Tiengen her ist manchmal mit Hindernissen verbunden", begründete sie ihre Verspätung, worauf Jungmann ihr entgegnete: "Dann muss man früher los fahren". Auf die Erklärung von Albers reagierte er etwas humorvoller. Der gab zerknirscht zu, er sei aus seiner Stadt nicht heraus gekommen. Jungmann schlug ihm deshalb vor: "Bauen wir eine richtige Autobahn in Richtung Osten".

Glaubenskriege

Vor 452 Jahren wurde der Augsburger Religionsfriede geschlossen. Die Fürsten durften nun ihre Religionszugehörigkeit frei wählen, im Gegensatz zu ihren Untertanen. Im Klettgau hatte die Bevölkerung jedoch schon ein paar Jahre früher versucht, sich im Rahmen der Reformation von der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche zu lösen. Thomas Münzer und Balthasar Hubmaier seien hier nur als Stichwort genannt. Das Ergebnis war am 4. November 1525 die Schlacht bei Grießen, in der hunderte von Bauern umgebracht und das Dorf angezündet wurde. Fast ließe sich daraus schließen, die Reformierten oder Protestanten in Klettgau hätten sich bis heute nicht von diesem Ereignis erholt. Gerade einmal 16 Prozent Bevölkerungsanteil stellen sie. Das aber erst mit Ende des letzten Weltkriegs, als zahlreiche Flüchtlinge aus den Ostgebieten hier Aufnahme fanden. Zuvor waren es preußische Beamte, Lehrer oder Bahnarbeiter, die von ihrem Dienstherrn in die katholische Gegend versetzt wurden. So erklärt sich, dass die protestantischen Kirchen in der Region gerade einmal um die 50 Jahre alt sind. Die sind zwar meist nicht gerade gut gefüllt, aber wie meinte eine Dekanin: "Wenn nicht alle hinein gehen, gehen alle hinein".

Feuerwehr

Die letzten Tage waren für die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren recht arbeitsreich. Erst der Brand eines Wohngebäudes in Lauchringen, dann der "Isele-Schuppen" in Grießen und jetzt noch die Schreinerei in Bechtersbohl.
Was das fürs Privatleben bedeutet, bleibt dabei meist unbeachtet: Herausgerissen aus dem abendlichen Zusammensein mit der Familie, mitten in der Nacht aus dem Schlaf geweckt oder am Arbeitsplatz alles stehen und liegen lassen. Am Einsatzort dann umsichtig Entscheidungen treffen, von denen das eigene Leben oder das der Kameraden abhängt. Nachdenken oder erst einmal zuwarten, geht nicht. Dafür haben sie Übungen abgehalten, Kurse und Fortbildungen hinter sich - alles in der Freizeit und freiwillig.
Die Sicherheit der Feuerwehrleute steht immer im Vordergrund, doch der ein oder andere gibt schon einmal zu, dass ihm hinterher ganz mulmig wird, wenn er das Geschehen noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen lässt. Wenigstens Anerkennung sollten sie dafür bekommen, doch die gibt es zumeist nur in Form von Reden ein Mal im Jahr bei der Hauptversammlung. Aber vielleicht ist das den Aktiven auch gar nicht so wichtig. So wie jetzt in Bechtersbohl. Da waren der Kaffee und die belegten Brötchen vom DRK viel willkommener.

Hauptschule

Sie können sich freuen, die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Klettgau: Der erste "Science Day" übertraf alle Erwartungen. Weit über 700 Besucher kamen, die 30 Kilogramm Pommes Frittes reichten nicht aus und heimgehen wollten zum Schluss auch nicht alle.
Es war eine Werbeveranstaltung für die Hauptschule Klettgau, aber ebenso für diese Schulform. Wenn Lehrer und Schüler gemeinsam etwas aufgreifen, können dabei tatsächlich mehr als nur Noten oder Unterricht heraus kommen. Der Spaß und das Engagement, mit denen die Kinder und Jugendlichen an die Sache heran gingen, wirkten ansteckend. Viele Besucher nahmen sich die Zeit, sich an Versuche zu beteiligen, lasen aufmerksam die Wandtafeln oder suchten das Gespräch. Gerade das gab manchen Kindern einen richtigen Schub in ihrem Selbstbewusstsein. Frei reden, Fragen beantworten, Erwachsenen ihre Arbeit vorstellen, wurde ihnen abverlangt.
Am Montag beim Elternsprechtag dürfte der "Science Day" noch einmal Thema vieler Gespräche sein. Und wohl ebenso in den Familien, die überlegen, auf welche Schule sie ihr Kind am Ende der Grundschule schicken sollen. Die Hauptschule in Klettgau ist dabei auf keinen Fall die schlechteste Wahl. Das bewiesen Schüler und Lehrer am Donnerstag.

Badischer Döner

Was ist ein Badischer Dönerkebab? Nun, "döner" bedeutet im Türkischen "drehend", und kebap "Grillfleisch". Das trifft exakt auf die Hauptattraktion der Gewerbe-Schau in Klettgau am nächsten Wochenende vom 21. und 22. April zu. Da gibt es einen ganzen "Ochs am Spieß". Ein Teil davon wird in kleinen Stückchen in Teigtaschen verpackt und so an die hungrigen Besucher verkauft. Und das Badische daran? Der Fleischlieferant, sprich: Ochse, soll im Schwarzwald aufgewachsen sein.
Sowieso ist der Messe-Termin im Klettgau mit einem ganz dicken Kringel im Kalender zu versehen. Besonders der Samstag. Da geht es erfahrungsgemäß nicht ganz so hektisch zu. Das zeigt sich dann in den Gesprächen mit den Ausstellern oder dem freien Blick auf die ein oder andere Attraktion. Die Kinder sind währenddessen im Streichelzoo, auf der Hüpfburg oder beim weiteren Kinderprogramm gut aufgehoben. Kulinarisch wird an der Messe so viel aufgefahren, dass sich das Abendessen erübrigt.
Dafür bietet sich ein Besuch zum Ausklang des ersten Ausstellungstags in der Lounge im Untergeschoß der Hauptschule an. Dort wird das Duo "Susonix" mit Klavierklängen und Gesang die Gäste verzaubern, während diese sich an den Cocktails und kleinen Gaumenfreuden verlustieren. Damit aber nicht genug. Bilder der Mitglieder von "Klettgau-Art" sind in der Hauptschule aufgehängt und laden zum Verweilen ein. Irgendwann danach treffen dann der Ochse und der Spieß ein. Es soll ein kleines Spektakel werden, wenn der Grill angezündet wird, war unter vorgehaltener Hand zu hören. Die ganze Nacht über wird es dauern, bis das Fleisch gar ist. Da bleibt Gelegenheit, einmal nachzufragen, ob das mit dem Badisch tatsächlich stimmt.

Übles Wetter

Was stöhnten wir doch noch vor ein paar Tagen über die hochsommerlichen Temperaturen! Und Mitte der Woche stöhnten dann Viele über den Dauerregen. Rechberg war hinter Wolken versteckt, die Hügel des Klettgauer Waldes versanken in nebliger Suppe. Eigentlich Grund genug, es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen und über den so garstigen Sommer zu meditieren.
Wer sich allerdings aufraffte, um dennoch ein paar Meter zu Fuß frische Luft zu schnappen, weiß welche Überraschungen solch ein Wetter bieten kann. Neben dem Spazierweg leuchten plötzlich die Wiesenblumen fast schon neonfarben im Dunst, klingt die Kuhglocke fast magisch. Dicke Weinbergschnecken queren mit Höchstgeschwindigkeit die Wege und das Dröhnen der Flieger über dem Kopf wirkt seltsam gedämpft.
Auf die Bemerkung des Mitarbeiters im Supermarkt, "das ist doch ein übles Wetter", zu entgegnen, es sei doch auch ganz schön, ruft bei ihm fast schon Unverständnis aber auf jeden Fall Stirnrunzeln hervor. Natürlich, denn wer mit einem Regenschirm versehen vom Auto möglichst trocken unters Dach kommen will, hat seine Schwierigkeiten bei solchen Wetterlagen. Doch wer einfach mal die nur noch für die Gartenarbeit gedachten Gummistiefel anzieht, dazu regenverträgliche Bekleidung, der kann durchaus dem "schlechten" Wetter seine guten Seiten abgewinnen., denn schlechtes Wetter, das gibt es nicht!

Pfarrerflucht

Das Bodenpersonal Gottes räumt den Klettgau. Gleich drei Geistliche lassen die Möbelpacker anrücken. Bei Pfarrer Werner Tröndle stand schon lange fest, dass er das katholische Pfarrhaus in Erzingen verlassen wird. Schwer lastete aber auf ihm die Ungewissheit, wann und vor allem wohin ihn die Freiburger Kirchenoberen schicken würden. Jetzt steht fest, dass der mittlerweile Pensionsberechtigte in Lörrach-Stetten noch einmal eine neue Aufgabe übernimmt. Dort wird er in der Seelsorgeeinheit als Kooperator des Pfarrers dienen.
Die evangelische Kirchengemeinde Klettgau verliert mit Bettina Fuhrmann ihre Hirtin. Sie zieht in den nördlichsten Zipfel der Badischen Landeskirche. In Sandhofen, einem Ortsteil der Großstadt Mannheim, wird sie und ihre Familie künftig daheim sein. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Fuhrmann den Klettgau lobte und in Sachen Ökumene die Zusammenarbeit mit den anderen Geistlichen.
Der Dritte im Bunde der Verkünder des christlichen Glaubens ist Godo Ganz. Der katholische Pfarrer mit Sitz in Grießen und geistliche Herr der Pfarrei dort sowie in Bühl und Geißlingen, war bald nach seinem Amtsantritt bereits mit dem Prädikat "Interimslösung" abgestempelt. Ob das nicht verfrüht war, wird nächste Woche ebenfalls vom Personalbüro des Erzbischofs in Freiburg entschieden. Möglich, dass der "Pfarrer auf Abruf" dann als Einziger die Stellung in Klettgau hält. Wie heißt es bereits in den Sprüchen: In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn".

Nachtrag: Auch Pfarrer Nummer 3 ging schließlich.


50. Winzerfest

Erzingen feiert das 49. Winzerfest. Was nächstes Jahr folgt, ist also ein ganz und gar rundes Jubiläum. Da ist dann zu erwarten, dass nicht nur "Business as usual" gilt, also das althergebrachte Programm einfach aufgewärmt wird.
Ganz so einfach dürfte das nicht werden. Schon jetzt fällt es schwer, überhaupt einen Blick zurück zu werfen. Längst ist die Generation verstorben, die in den Anfangszeiten die Verantwortung für die größte Veranstaltung im östlichen Kreisgebiet trug. Wer heute ein Alter jenseits des siebten Lebensjahrzehnts vorweisen darf, kann sich allerhöchstens noch an einige Begebenheiten aus den Anfangszeiten erinnern. Aber selbst die sind wertvoll geworden, wo authentische Überlieferungen nicht mehr vorhanden sind.
Mag sein, dass in vielen Fotoalben von alten Erzingern so manches Bild vom Winzerfest schlummert. Irgendwo sind vielleicht sogar noch einige Platzierungslisten vom Winzerfestumzug aufzufinden. Doch selbst Protokollbücher von Vereinen sind längst dem Vergessen anheim gefallen.
Im Grunde zeigt sich darin der Zeitgeist. Bei jedem Vereinsjubiläum sind die Annalen bestens dokumentiert. Spätestens wenn es um die Zeit von Wirtschaftswunder und Ölkrise geht, offenbaren sich immer mehr Lücken. Sind irgendwo noch die vergilbten Fotografien vorausgegangener Generationen aufzutreiben, hat das Ergebnis der Schnappschussfotografie längst den Weg aus dem Schuhkarton ins Altpapier gefunden. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass für das nächste Jahr ein Rückblick auf die Anfangszeiten des Winzerfestes erarbeitet wird, dann stehen den Beteiligten harte Zeiten bevor.

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Feuerwehrprobe

Der Herbst ist bei den Freiwilligen Feuerwehren eine ganz besondere Zeit. Bevor es so richtig kalt und dunkel wird, packen sie ihre Schläuche und Schutzanzüge noch ein Mal aus. Ihre Kommandanten lassen dabei ihrer Fantasie freien Lauf und denken sich Un- und Brandfälle aus, die es in sich haben. Schließlich soll die Herbstabschlussprobe der Öffentlichkeit zeigen, was die Freiwilligen alles in den unzähligen Übungsstunden unterm Jahr gelernt haben. Insbesondere die Familienangehörigen bekommen dabei gezeigt, warum sie so oft zumeist auf Papa, selten noch auf die Mama verzichten mussten.
In Klettgau hingegen heißt es dazu vom Kommandanten Andreas Kuhnert: "Nein, wir führen schon seit Jahren keine Abschlussprobe mehr durch, weil unsere Arbeit das ganze Jahr weiter geht". Das gilt aber nur für die Erwachsenen. Jugendwart Sebastian Schilling meint nämlich: "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es für die Jugendlichen eine besondere Freude ist, ihr Können an der Herbstabschlussprobe unter Beweis zu stellen". Mag sein, dass mit zunehmender Einsatzerfahrung das Interesse an spektakulären Vorführungen ganz einfach nachlässt.

Ende der Welt

Hätte der Klettgauer Ortsteil Rechberg nicht ein Promillesträßchen ins Wutachtal, es könnte sich fast mit dem Prädikat "Ende der Welt" schmücken; in Touristik-Gegenden durchaus ein Versprechen von Nervenkitzel und Urtümlichkeit, mehr noch als "letzte Tankstelle vor der Autobahn".
Aber Rechberg ist mindestens das Herz des Klettgaus, jedenfalls was die Informationsdichte anbelangt. Seit dort ein Bauernpaar das Internet entdeckt hat, überschlagen sich die Pressemitteilungen. "Hof Gasswies" heißt der rührige Frau-Mann-Betrieb, der die weite Welt mit Nachrichten versorgt, die medienverwöhnte Computernutzer immer wieder aufhorchen lassen. "Alfred und Silvia Rutschmann" steht im Absender, wenn wieder einmal ganz unglaubliche Geschichten vom Rande des Globus in die Arterien des überkochenden Medienkreislauf eingespeist werden.
Letzte Meldung: "Die raffinierteste Maus, die uns je untergekommen ist - in die Falle gegangen!" Jetzt herrscht Frieden auf "Hof Gasswies". Aber wie lange? Da wird berichtet von Jungrindern, die keinen Bock auf Grünwiese haben. Da erfahren wir von Rindviechern, die statt dem Stall lieber den Friedhof ansteuern. Und dass die "Fantastischen Vier" keine Popgruppe sind, sondern ein Wurf Katzen. Wer die "Fantastischen Zwei" auf dem Hof sind, steht auf der Homepage www.hof-gasswies.de, die noch weitere Überraschungen feil hält. Urtümlichkeit ist dort garantiert und den Nervenkitzel befriedigt der unkonventionelle Rundbrief, wenn es nicht nur darum geht, vor dem Schlachttag die Kunden zu informieren. Für die Kuh das Ende des Daseins, aber eben nicht das Ende der Welt!

Paintball

"Räuber und Gendarm" war einmal. Heute heißt das fragwürdige Vergnügen "Paintball". Dazu reichen keine Holzstöckchen und Hausecken mehr. Eine Halle mit allen technischen Finessen braucht es dazu. Selbstverständlich wird dafür Eintritt verlangt. Der Klettgauer Gemeinderat hatte das zweifelhafte Vergnügen, sich gerade damit zu befassen, ob er in einer ehemaligen Möbelhalle in Geißlingen zulassen will, dass hier in der Freizeit mit Farbbeuteln herum geballert werden darf. In Anbetracht der Amokläufe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen braucht sich die Mehrheit des Gemeinderats, der den Antrag ablehnte, nicht den Vorwurf gefallen lassen, eine vermeintlich harmlose Freizeitbeschäftigung verhindert zu haben.
Nach wie vor gibt es Schützenvereine zuhauf, und werden sie ihrer Verantwortung gerecht, können dort Jugendliche unter Anleitung und Aufsicht durchaus ihren Spaß haben. Dazu braucht es nicht, dass sie in Killermanier auf Menschen zielen.
In Klettgau jedenfalls sorgte das Gemeindeparlament dafür, dass "Räuber und Gendarm" nach wie vor ein harmloses Kinderspiel bleibt. Und das trotz der Verlockung, aus einer Industriebrache Gewerbesteuer saugen zu können. Es war übrigens nicht das erste Gremium, das den Antrag des Hobbyschützen ablehnte. Bislang scheiterte er noch an jedem beantragten Standort.

Brot

Da lag doch vor ein paar Tagen im Verkehrs-Kreisel bei Geißlingen ein originalverpacktes Brot mitten im Gras. Wer wirft denn so etwas weg? Mag sein, dass es auf einem Auto-Anhänger lag, der die Reste einer Festivität entsorgte, vielleicht aber auch einfach der Transport von Überbleibseln aus dem Bestand einer Bäckerei. Längst schon akzeptieren wir, dass Getreide zur Herstellung von Strom verwendet wird, Ackerflächen für die Produktion von Lebensmitteln zu Verkehrsflächen benutzt werden.
Der Überfluss an Essbarem verschwindet nicht einfach aus dem Regal des Supermarkts, der Bäckerei. Längst hat sich eine Industrie dieser Hinterlassenschaften bemächtigt. Das hausgemachte Paniermehl des Klettgauer Bäckers ist dabei nur die Spitze des Brotbergs.
Ein paar Meter vor Geißlingen grasen Wollsäue mitten im Winter auf der Wiese. Die aufbereiteten Reste der Opfer der Schweinepest wurden übrigens in den Öfen von Zementwerken verbrannt, ebenso die BSE-Rinder.
Da lag doch vor ein paar Tagen ein Brot neben der Straße. Wie war das, als wir von Mutter geschickt das Bauernbrot aus der Bäckerei holten und mit den Fingern unter Kruste nach dem weichen Inneren suchten und es mit Genuß in den Mund steckten, darauf kauten und schließlich mit einem halb ausgehöhltem Laib daheim ankamen?

Steuerideen

Das waren noch Zeiten, als es einen Zehnten gab. Heute verschwinden über die Hälfte der Einkünfte eines Normalsterblichen in Sozialabgaben und staatlichen Bedürfnissen. Kein Wunder, wenn sich Besserverdiener nach Steuersparmodellen umsehen. Stiftungen in Liechtenstein sind da mittlerweile tabu. Kreativität ist wieder gefragt.
Doch es gibt auch Menschen, die sich damit befassen, die Einnahmen des Staates zu verbessern, nicht nur Politiker oder Verwaltungs-Apparatschiks. So erreichte die Klettgauer Verwaltung ein recht interessanter Vorschlag, der bereits erfolgreich getestet wurde: Die Spatzensteuer. Die Stadt Bad Kreuznach führte sie am 16. Februar 1805 ein. Jeder Bauer sollte zwölf, jeder andere Einwohner sechs Spatzenköpfe den zuständigen Beamten abliefern. Da aber niemand in der Stadt schießen durfte und auf dem Feld eine Waffe tragen, blieb die Jagdstrecke mehr als mau. Doch für diesen Fall hatte die Verwaltung bereits vorgesorgt, denn sie verlangte für die fehlenden Spatzenköpfe ein Bußgeld. Bei 5 000 Einwohnern kam da eine nette Summe zusammen.
Klettgaus Bürgermeister Volker Jungmann sieht diesen Vorschlag als Kuriosum. Die Gemeinde gehört eher zu jenen, die sich mit einer Erhöhung der Abgabenlast schwer tut. So liegt zum Beispiel die letzte Erhöhung der Gewerbesteuer mehr als ein Jahrzehnt zurück.

Musik aufgewärmt

Kennen Sie das Musikstück "Rosen für die Dame"? Beim Herbstball des Tanzsportclubs Klettgau jedenfalls war es einer der Schlager, die das Blut der Tanzenden in der Erzinger Gemeindehalle zur Wallung brachte. Währenddessen vergnügte sich die Jugend auf dem Vorplatz. Die Motorroller jaulten auf, aber nicht deren Pferdestärken, sondern die Lautsprecher, die phantasievoll im Rahmen des Gefährts eingebaut sind. Laute Technoklänge hallten über den Vorhof.
Das Dutzend Jugendliche, das sich daran erfreute, wusste auf Nachfrage sofort, dass sie von den Discjockey "Prezioso" stammen. Nicht nur in Italien eroberte er damit die Hitparaden. Doch ebenso, wie in der Halle, war es nur ein Aufkochen von viel älteren Kompositionen. Als die Jugendlichen erfuhren, dass der Song schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, reagierten sie ungläubig. Den Beweis dafür anzutreten wäre nicht schwer gefallen. Im Autoradio befand sich eine Musikcassette, auf der genau dieses Lied zu hören gewesen wäre.

Anzumerken sei noch, dass sich später herausstellte, die 25 Jahre ältere Version war ebenfalls aufgewärmt und hatte ihren Vorgänger.

Rio Rechberg

Diabetes dürfte wohl in Rechberg demnächst nicht gerade angesagt sein. Schließlich feiert der Narrenverein sein 33-jähriges Bestehen mit einer Zuckerhut-Party. Aber gemach: Es geht nicht um ein Süßungsmittel, sondern nur einfach um die Atmosphäre, die mehr als zuckersüß die Vorzüge der Narretei im Klettgau auf die Straße bringen will.
Vielmehr wollen die Rechberger Narren endlich einmal losgelöst vom Zeitmangel einfach ordentlich feiern. Keiner der Beteiligten, sei es von der Narrenvereinigung Kleggau, noch von anderen befreundeten Vereinen, kann sich am 7. Juli damit heraus reden, an anderer Stelle müsse er eine Verpflichtung erfüllen. Welcher Narr würde schon im Häs unter praller Sonne durch die Landschaft stiefeln.
Daher ist das närrische Jubiläum auch ganz ohne Bezug zur alemannischen Fasnacht.
Das zeigt sich schon auf dem Werbeblättchen, das die Rechberger gerade beim Sommerfest der Dorfmusik unters Volk brachten. Eine Dame vom südamerikanischen Kontinent ziert es, doch wer glaubt, sie kommt in den Klettgau, der liegt falsch. Vielmehr dürften es die Einheimischen sein, die sich in Fußballtrikots oder leichte Bekleidung werfen, um dem Umzug ein exotisches Flair zu geben. Das Ziel dabei: Einen Karneval de Brasil auf die Beine zu stellen.

Neue Namen

Kaufen Sie auch beim "Reckermann" ein? Das ist doch der Lebensmittelmarkt mitten im Ort, mitten in Tiengen, Lauchringen und Erzingen! Nur eigentlich gibt es den schon längst nicht mehr. Als seinerzeit die Mauer fiel, wechselte das Lebensmittelimperium im Kleinformat 1989 den Besitzer. Der Einkaufsverband Deutscher Kaufleute (Edeka) übernahm die Filialen und plötzlich mussten die Kunden umdenken, lernten das Wortungetüm "Edeka Aktiv-Markt". Und kürzlich erst erklärte die Konkurrenz, der Revisionsverband der Westkaufgenossenschaften (Rewe), die Penny und Minimal zur Vergangenheit.
Längst haben sich die Kunden von Bundespost und Bundesbahn an Namensschöpfungen gewöhnen müssen, von denen DHL und DB-AG noch die geringsten Übel sind. Auf lokaler Ebene sind diese Veränderungen ebenfalls längst Allgemeingut. Dass die einstige Stehli zur Synteen mutierte, die Eral nur noch ein Bestandteil der Magna-Automotive wurde, bevor sie ein Investor wieder in die Eral-Metall zurück verwandelte, all das ist im Klettgau im Bewusstsein.
Auch die Evi Stoll, beziehungsweise deren Geburtstag. Nur wohin soll die Gratulationskarte adressiert werden? Beim Blick ins Telefonbuch kommt irgendwann die Erkenntnis: Nach ihrer Hochzeit heißt sie ja jetzt Indlekofer!

Vereinsleben

Wenn ein Vereinsvorstand endlich einen Nachfolger gefunden hat, weil er aus persönlichen, familiären, gesundheitlichen Gründen sein Amt abgibt, dann ist das ein Anlass, inne zu halten. Die Mitglieder im Verein sehen mit einem Mal, hier wurde ja über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, hinweg still und leise oder auch mit vielen Bauchschmerzen etwas geleistet, das im Vereinsleben eigentlich ganz selbstverständlich ist und erwartet wird. Worte des Dankes werden ausgetauscht. Ein Blumenstrauß, ein Geschenkgutschein sollen über die vielen Stunden hinweg trösten, in denen das Privatleben litt. Das ist selbstverständlich und ein Zeichen, welchen Wert der Verein dieser Arbeit beimisst. Manchmal kommen tatsächlich Gefühle von Wehmut und Wertschätzung auf, tränt dem ausgeschiedenen Amtsinhaber oder den Mitgliedern das Auge. Um so besser, denn dann wird ein wenig davon deutlich, wie viel das Wirken Wert war.
Fast automatisch heißt es anschließend, dass der oder die Betreffende noch mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz gibt es da eine ganz besondere Form, den Abschied aus dem Amt für Vorgänger und Nachfolger zu erleichtern: "Eine Aufgabe Mitnehmen". Jeder, der sich in den vereinsinternen Ruhestand verabschiedet, behält eine wichtige oder interessante Aufgabe. Um die darf er sich weiter kümmern. Das dient nicht nur zur Entlastung. Es ist ebenso eine Gelegenheit, die Vereinsarbeit auf breitere Schultern zu verteilen. Nicht nur, wenn sich der Vorsitz ändert, bietet sich dies an, sondern ebenso zum Beispiel bei Schriftführer oder Kassier.


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Weinhoheiten

Ein Mal Weinprinzessin, immer Weinprinzessin! Wer in Erzingen Weinhoheit wird, übernimmt ein Amt, das nicht nur aus dem Repräsentieren des Rebensaftes besteht, und das nach einem Jahr an die Nachfolgerin weiter gereicht wird. Das zeigt sich zum Beispiel beim Empfang der Ehrengäste durch die Gemeinde. Wer serviert dort Flädelesuppe und Kasseler? Einige frühere Weinprinzessinnen. Später im Festzelt werden die Getränke gebracht. Von wem? Natürlich, von Ex-Prinzessinnen. Wer wird gleich nach Landtagspräsident und Bundestagsabgeordneter begrüßt? Ist doch klar!
Weinprinzen hingegen gibt es bis heute nicht, auch wenn der frühere Landrat vor ein paar Jahren diesen Vorschlag den verdutzten Gästen und Hoheiten unterbreitete. In diesem Jahr war es nun Martin Stoll von der Winzergenossenschaft, der den Hofstaat erweitern wollte und noch eine ganz andere Spezies nannte, der Ehrungen widerfahren könnten: Frau und Herr König seien bislang noch überhaupt nicht gebührend berücksichtigt worden, wobei Stoll die Eltern der von ihm auserwählten Weinprinzessin meinte. Das wäre dann schon eine gewaltige Rebellion im Klettgauer Winzerstaat, die aber durchaus ernst zu nehmen ist. Das Datum für das erste Treffen von Eltern ehemaliger Weinprinzessinnen steht nämlich bereits fest. Es ist, wen wunderts, der Dreikönigstag 2008.

Computerwelt

Computernutzer wissen: Moderne Technik hat die Eigenschaft, meist genau dann zu versagen, wenn es darauf ankommt, dass sie funktioniert. Das musste Klettgaus Bürgermeister Volker Jungmann am Dienstag fest stellen. Während er die Mittagspause in seiner Zweitwohnung in Erzingen verbrachte, rückte die Feuerwehr zum Großbrand nach Rechberg aus. Als Feuerwehrchef wird er ebenfalls alarmiert. Diesmal klappte das aber nicht. Ob Funkloch oder bauliche Besonderheiten: Sein Mobiltelefon blieb stumm. Die Mitarbeiter im Rathaus wussten sich schließlich nicht anders zu helfen, als auf traditionelle Weise die Nachricht zu überbringen. Sie klingelten an der Wohnungstüre und informierten Jungmann persönlich. So kam er dann schließlich doch noch an die Einsatzstelle, wo ihn Kommandant Andreas Kuhnert begrüßte. Der hatte allerdings schon eine etwas längere Anfahrt hinter sich, denn seine Arbeitsstelle liegt in Zürich. Sein "Piepser" hatte ihn herbei gerufen, denn die Funkfrequenz dafür reicht bis an die Limmat.

Wildschweinbraten

Was durften Journalisten und damit auch diese Zeitung im letzten Jahrzehnt über Wildschweinrotten und deren Verwüstungen nicht alles berichten. Jäger vor Ort, auf Kreis- und Landesebene bliesen zum Halali auf Sauen und Eber. So erfuhren die geneigten Leser von Leitbachen, Drückjagden oder die Gebühren der Trichinenschau. Landwirte beklagten Ernteausfälle in Maisfeldern, Gemeindeblätter druckten Hinweise auf Gefahren durch liebestolle Keiler ab.
Geißlingens Männergesangverein hingegen ficht dies alles nicht an. Sein Mitglied Armin Müller, passionierter Jäger, spendierte einfach ein Wildschwein fürs Essen bei der Hauptversammlung. Angerichtet vom einzigen heimischen Gasthaus, mundete es den Sängern vorzüglich. Mit Preiselbeeren und Teigwaren gewann die Veranstaltung an Genuss. Butterweich und "ohne Schrotkugeln", wie die Esser versicherten, hob es die Laune.
"Wir hatten Glück", meinte einer der Esser zu Jäger Armin Müllers Spende. Postwendend folgte der Kommentar: "Und die Sau hatte Pech". Vielleicht sollte es die eher in der Stille wirkende Jägerschaft als Beispiel dafür nehmen, wie sich Nützliches mit Angenehmen verbinden lässt. Das wussten seinerzeit schon die beiden Gallier Asterix und Obelix. Cäsars Legionen zu verhauen war nur die eine Hälfte des Spaßes, die andere, gebratene Wildschweine zu verspeisen.

Verstimmung

"Alle Augen warten auf dich, Herr" ist ein Lied, das zum Repertoire des katholischen Kirchenchors "St. Georg" aus Erzingen gehört. Dirigent Frank Hodapp wollte dies zu Beginn der Hauptversammlung anstimmen. "Zwei Versuche haben wir", meinte der Kirchenmusiker zuvor, und die brauchte der Chor tatsächlich. Während Hodapp nach dem ersten missglückten Einsatz sicher war, das Lied beginne in h-Moll, bestand der frühere Dirigent Karlfried Süß auf g-Moll. Ein kurzer Disput entspann sich zwischen ihnen und beim zweiten Anlauf klappte es dann einwandfrei. Auf die Frage, was denn nun richtig gewesen sei, meinte Hodapp: "Es lag wohl zwischen drinnen". Ein Schmunzeln zeigte sich kurz darauf in den Gesichtern der Chormitglieder, als Schriftführerin Edeltraud Schiessel das Protokoll von der Hauptversammlung des letzten Jahres vorlas. Darin hieß es: Zu Beginn sang der Chor das Lied "Alle Augen warten auf dich, Herr".

Kerzenrecycling

Recycling ist eigentlich die Wiederverwertung von Rohstoffen. Doch es kann ebenso gut eine Wiederverwendung sein, wie die evangelische Pfarrerin Bettina Fuhrmann aus Klettgau es kürzlich praktizierte.
Zu Beginn des Jahrtausends schenkte ihr katholischer Amtskollege Werner Tröndle den Protestanten eine bemalte Osterkerze, auf der die Jahreszahl 2001 gut zu lesen ist. Wie bei einem Kalender ist damit das Verfallsdatum eigentlich der 31. Dezember. Doch Fuhrmann war die schön gestaltete Kerze zu schade, um sie zu entsorgen. Irgendwann kam ihr eine zündende Idee: Mit Goldfarbe verwandelte sie die Ziffer Eins in eine Sieben. Seit Ostern ist das Werk nun auf dem Altar zu betrachten und wird wohl keinem der Gottesdienstsbesucher sonderlich bekannt vorgekommen sein.
Einen anderen Weg nehmen Kerzen in der katholischen Pfarrei Grießen. Pfarrer Godo Ganz expediert die nicht mehr verwendeten Wachslichter nach Konstanz, die dann ihren Weg nach Kalkutta zu dem Orden von Schwester Theresa nehmen und dort in Krankenzimmern noch ihr Licht spenden. Tröndle hingegen verwendet die Altarkerzen als Auszeichnung für Mitarbeiter der Pfarrei in Erzingen. Sie leuchten oder zieren dann heimische Stuben.

Verantwortungslos

In Zeiten wie diesen, ist es bitter, nur ein paar Meter laufen zu müssen. Die Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs wissen das. Viel lieber benutzt der gemeine Mitteleuropäer ein motorisiertes Fahrzeug, um sich fortzubewegen. Davon nicht ausgenommen sind die Fahrer der SBG, die in der Region die Busse chauffieren. In Erzingen sind daher seit Jahren nicht nur allnächtlich die blauen Gefährte der Südbaden-Bus-Gesellschaft im Umfeld der Hauptschule geparkt.
Anstatt eines PKWs mit 3,4 Meter Länge stehen da halt 17,4 Gelenkbus auf Straße oder Parkplatz. Welche Genehmigung dafür greift, erschließt sich nicht so ganz. Der Busfahrer beruft sich auf die Erlaubnis des Bürgermeisters, der Bürgermeister auf die Vorgabe, das Gefährt am Bahnhof zu parkieren.
Bislang waren es Turner oder Besucher der Volkshochschule, die sich auf der Suche nach einem anderen Parkplatz begeben mussten, wenn ein ÖPNV-Monstrum irgendwo im Umfeld der Hauptschule ruhte. Demnächst eröffnet jedoch das "Cosmopolitana". Das Jugendhaus der Gemeinde Klettgau wird dann zum Anziehungspunkt für die Jugendlichen aus dem Ort. Nicht einmal von jugendlichem Übermut darf dann der Polizeipressesprecher schreiben, wenn an dem öffentlichen Gefährt die ein oder andere Schramme zu finden sein könnte. Es im Bereich eines Jugendzentrums zu parkieren ist schlichtweg Verantwortungslos. Guten Willen der Jugendlichen hin oder her, aber die blanken Lackflächen und die ein oder andere Werbebeschriftung laden dazu ein, sie zu verändern.

Dialektisch

Einen Volkshochschul-Kurs "Alemannisch als Fremdsprache" wird es wohl auf absehbare Zeit im Klettgau nicht geben. Manch Zugereister wäre aber vielleicht froh darüber. Ausdrücke wie luschtere oder Gallöri führen selbst bei dem ein oder anderen Eingeborenen zum Erklärungsnotstand. Der Wechsel in die Hochsprache ist dabei nur ein müder Behelf, die Verständnislosigkeit zu umgehen. Besonders dann, wenn ganz persönliche Angelegenheiten zu besprechen sind. Das stellte mittlerweile auch Klettgaus neuer Pfarrer Thomas Mitzkus fest. "Oh, der Pfarrer kommt, jetzt muss ich Hochdeutsch sprechen", diese Reaktion begegne ihm immer wieder, erzählte er jüngst in der trauten Runde eines Kirchenchors. Die Leute sollten doch weiter in ihrem Dialekt reden, denn Alemannisch sei ihm aus seiner Freiburger Zeit durchaus vertraut. Allerdings hört der Pfarrer im Klettgau die Nähe zur Schweiz deutlich heraus. Er selbst kann seine Herkunft ebenfalls nicht verleugnen. Als gebürtiger Oberbayer bereitet ihm das rollende "R" keine Schwierigkeiten und beim Vorlesen von längeren Texten im Gottesdienst ist sein Dialekteinschlag noch etwas deutlicher zu hören. Mag sein, dass sich dies in der Zukunft ändern wird. Zeit, um sich dabei ein paar Akzente der Klettgauer Mundart aneignen zu können, hat Mitzkus jedenfalls genügend, denn sein Ziel ist es nämlich, die nächsten zwölf, fünfzehn Jahre in der Gemeinde zu bleiben. So lange dauert ein Volkshochschul-Kurs dann doch nicht.

Badefreuden

Nass anfeuchten können sich die Besucher des Klettgaubads in Erzingen seit letztem Samstag. Entweder von Außen, wenn die Sonne scheint, oder Innen, wenn sie lieber die Annehmlichkeiten des Kiosks in Anspruch nehmen.
Alles blitzt und blinkt, denn Schwimmmeister Peter Haase und sein Team war in den letzten Tagen fleißig. Bänke aufstellen, Beläge ausbringen und viel Aufräumen gehörte mit dazu. Die Technik läuft reibungslos und die Wassertemperatur liegt bereits bei 19 Grad.
Etwas getrübt wird das Badevergnügen durch höhere Preise. Erwachsene bezahlen für die Tageskarte nun 2,50 Euro. Für Kinder hingegen blieb bei der Einzeleintrittskarte alles beim alten. Reklamationen habe es bislang noch nicht gegeben, so Haase, denn die Preise für Jahres- und Mehrfachkarten seien angemessen.
Die Stammgäste jedenfalls sind gut über den Winter gekommen und drehen schon ihre Runden im Becken. Haase freut sich, auch wenn ihm die erste Woche wenig Zeit für Gespräche ließ. Für Auskünfte steht er jedoch zur Verfügung und ist über eine neue Telefon-Nummer erreichbar: 07742/850500. Infos zum Wetter gibt es da jedoch nicht. Der Schwimmmeister weiß im Augenblick selbst nicht so recht, was er davon halten soll; Den Vorhersagen sei nicht zu trauen, was morgens gilt, ist mittags schon wieder überholt.

Badefreuden II

Ob Wasserratte oder Strandfisch, in diesem Sommer wurden sie bislang höchstens von oben nass. Doch heute ist Schwimmbadwetter angesagt. Eine Wassertemperatur von mindestens 22 Grad bietet das Klettgau-Bad in Erzingen, und Schwimmmeister Peter Hase meint, es könne durchaus noch wärmer werden.
In letzter Zeit kamen höchstens Hartgesottene, um die Freizeiteinrichtung der Gemeinde zu nutzen. Gestern Mittag zählte Hase 35 Besucher. Doch die Zahl der Wasserfrösche, die sich auf der Liegewiese und dem leeren Kinderplanschbecken tummeln, ist viel größer. Woher die Jungfrösche kommen, weiß Hase nicht, aber sie fühlten sich im Klettgau-Bad recht wohl. "Sie werden so sorgfältig wie alle anderen Badegäste versorgt", meint Hase ganz ernsthaft. Er sammelte sie ein und transportierte sie in einem Eimer in den nahegelegenen Klingengraben.
Einen eindeutigen Trend machte er bei den aufblasbaren Schwimmhilfen aus. Schildkröten sind der absolute Trend, soweit sich dies überhaupt bei den geringen Besucherzahlen absehen lässt. Vielleicht laufen ihnen ja Orca-Wale noch den Rang ab. Nach wie vor gehören "Flügelmonster" mit zum vertrauten Anblick. Manche von ihnen entwickelten sich bereits zu Seepferdchen, denn die Prüfung für dieses Schwimmabzeichen wurde bereits in Erzingen abgenommen.
Plagegeister wie Wespen oder Bienen sind in diesem Badezoo derzeit die Ausnahme. Aber die Saison hat halt noch nicht so richtig begonnen.


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Microsoft

Oh - ihr Brüder und Schwestern der Microsoft-Gemeinde, die ihr Word, Outlook und Excel nutzt! Die ihr verfolgt seid von Fehlermeldungen und Inkompatibilität, die ihr geplagt seid mit Systemabstürzen und Patch-Days! Am vergangenen Samstag gab es die Gelegenheit, einem Mann all die stillen Verwünschungen ins Gesicht zu schleudern, die ihr in den endlosen Stunden der Neuinstallation und Nervereien seit Windows 95 gedacht und gesprochen habt.
Der Chef von Microsoft Schweiz und Österreich war nämlich zu Besuch in unserer Kreisstadt. Zu Besuch bei der Ausstellung "Von Analog nach Digital" von Hans Persinger im Schlosskeller in Tiengen, die noch bis 28. Mai zu sehen ist. Bilder mit Nullen und Einsen, mit Computern und Koi-Karpfen sind dort zu sehen. Das ganze digitale und virtuelle Panoptikum mit all seinen Signaturen. Nicht am Computer erstellt, sondern mit Stempeln und Acrylfarbe auf Leinwand.
Seht es euch genau an, brennt die Bilder in euer Gedächtnis ein. Vielleicht begegnen sie euch bei Besuchen in Zürichs Galerien oder deren Schaufenstern. Steht dann eine ganz normale Familie neben euch, seid vorsichtig. Vielleicht ist es Microsofts Statthalter für die Schweiz und Österreich, der sich dafür interessiert. Fragt nach, zeigt Interesse, dann gibt er vielleicht zu, für all das Elend vor den Bildschirmen verantwortlich zu sein. Oder kauft Persingers Bilder!
Sie sind es Wert, denn in den Zeiten, die für Installation und Backups, fürs Hochfahren und für Updates drauf gehen, bieten sie Entspannung. Sie sind gut für die geplagte Psyche von Anwendern und schaffen einen Raum der Ruhe. Sie bieten Gelegenheit, über den Sinn und Zweck der Digitalen Welt zu meditieren. Dann fällt es möglicherweise etwas leichter, mit dem unbekannten Herrn nebenan ein Gespräch zu beginnen. Von Computerfrust muss es dann nicht unbedingt mehr handeln.

Überwacht

Eine Baustelle, das ist eigentlich ein Ort, den man nicht unbedingt mit Schlips und Anzug besucht. In Wutöschingen lässt sich das aber sogar von zuhause aus erledigen. Auf der Homepage der Gemeindeverwaltung reicht dafür ein einziger Mausklick. Eine gut platzierte Kamera überträgt in regelmäßigen Abständen den Baufortschritt vom Neubau der Seniorenwohnanlage.
Wo gestern noch ein klaffendes Loch gähnte, steht heute eine gemauerte Wand. Selbst die Baustellenarbeiter sind dann und wann als Dekor zu sehen. Ob sie das überhaupt wissen? Ihr Arbeitgeber aber mit Sicherheit. Der hat nämlich die "Webcam" eingerichtet. So genügt ein kurzer Blick ins Internet, die Arbeiten vor zu verfolgen. Der Bauleiter kann sich damit vielleicht manchen Weg auf die Baustelle sparen.
Doch nicht nur Baustellen sind das Motiv solcher versteckter Kameras. In Waldshut und Tiengen zum Beispiel liefern sie Aufnahmen aus den Fußgängerzonen. Wer wissen will, wie das Wetter in der Kreisstadt ist, kann sich auf diese Weise exakt informieren. Die Warenauslagen von Geschäften lassen sich aus luftiger Höhe ebenso ausmachen, wie die Einkäufer und Flanierer.
Spätestens wenn die Straßencafés wieder im Freien wirten, wird es richtig unterhaltsam. Im letzten Jahr entdeckte dort ein Computernutzer seine Frau. Als die nach Hause kam, lag ein fertiger Fotoausdruck von ihrem Cafébesuch schon auf dem Küchentisch. Beide schmunzeln heute noch darüber, aber es hätte ja ganz anders ausgehen können...

Nikolaus

Der Nikolaus hat es nicht leicht. Abgesehen davon, dass er nur als Saisonarbeiter seine (Weihnachts-) Brötchen verdienen kann, kommen noch ganz andere Erschwernisse hinzu. So wird der heilige Mann inzwischen, einmal abgesehen von Werbeengagements, für Arbeiten angestellt, die eigentlich überhaupt nicht in sein Aufgabengebiet fallen. Als "Santa Claus" muss er Schwerstarbeit verrichten und am 24. Dezember durch die Schornsteine zum Geschenke verteilen rutschen. Hierzulande wird er inzwischen ebenfalls immer häufiger als Weihnachtsmann in Anspruch genommen. Puristen gefällt dies gar nicht. Deshalb bietet eine katholische Initiative inzwischen Bastelbögen an, aus denen Mitra, Bischofsstab und Bibel ausgeschnitten werden können. Damit lassen sich die handelsüblichen Schokofiguren in einen richtigen "Bischof Nikolaus von Myra" verwandeln.
Doch selbst die üblichen Tätigkeiten des Nikolaus bergen erhebliche Gefahren für den bärtigen Mann. Das schmerzhafte Ziehen der Kinder am Bart gehört zum Alltag, genau so, wie das herunter reißen der Brille. Lässt Nikolaus die Kleinen auf seinen Schoß sitzen, hat er nicht selten hinterher eine nasse Hose oder einen dunklen Fleck auf dem roten Mantel. Dazu kommt, dass ihn so manches Kind noch anhustet oder anniest. Wenn dann manche Kinder in Tränen ausbrechen, lässt sich gar von emotionalen Stress für den alten Mann reden.

Weindoublette

Der Klettgau ist ein schöner Landstrich und es lässt sich hier herrlich Urlaub verleben. Vor drei, vier Jahrzehnten gab es Betriebe, die sich erhofften, dass die Feriengäste in Scharen hierher pilgern. Dazu gehörte die "Brauerei" in Grießen. Die Familie Spitznagel inserierte im Ruhrgebiet und warb mit der Nähe zur Schweiz und zum Schwarzwald.
Die Adameks aus Mülheim an der Ruhr lasen seinerzeit das Zeitungsinserat und war beim ersten Aufenthalt in Grießen so begeistert, dass sie wieder kamen. Tochter Ute lernte hier das Traktorfahren und durfte sich im Stall und auf dem Feld betätigen. So entstanden Kontakte, die bis heute halten. So entwickelte sich das "Brauerei-Virus", dem Bekannte der Familie anheim fielen und ebenfalls ihren Urlaub in Grießen verbringen.
Diesmal ließ es sich Bürgermeister Volker Jungmann nicht nehmen, sich persönlich bei den Damen aus dem Ruhrgebiet für ihre Treue zu bedanken. Als Geschenk hatte er unter anderem eine Weinflasche aus Erzingen mit im Gepäck. Seine Werbeaktion für den hiesigen Wein war aber gar nicht nötig: Im Auto der Adameks warteten bereits einige Kartons vom Müller-Thurgau bis zum Rivaner auf den Transport in den Norden.

Badewannenbau

Was sind wir doch für ein ärmlicher Landflecken! In Weisweil wird jetzt eine Badewanne gebaut, die ein 200-jähriges Hochwasser fassen soll. Zum Spatenstich schickt das Regierungspräsidium Freiburg einen Mitarbeiter. Drei Tage später nimmt sein Chef, Regierungspräsident Sven von Ungern Sternberg, bei Donaueschingen den Spaten in die Hand. Dort wird ebenfalls solch eine Badewanne gebaut, allerdings gut zwölf Mal so groß.
Beispiel Nummer Zwei: Ein Automobilzulieferer will mit den Chinesen seine Geschäfte machen. Also verkauft er sein Werk in Erzingen, weil es zu unbedeutend ist. Aus Hamburg soll es geführt werden. Als ob die Hanseaten wüssten, was einen Erzinger Kapellenberg von einem Bordeaux unterscheidet!
Variante Drei: Die Wirtschaftsregion Südwest sieht den Weg aus dem Dornröschenschlaf in bunten Logos und knackigen Slogans. Am besten noch ein 24-Stunden-Schlattwald-Marathon oder eine Reutehof-Ralley, damit der Osten des Landkreis auf dem internationalen Laufsteg der Medien mitmascheln kann.
Schön wär´s schon! Aber realistisch? Nun - ärmlich ist Klettgau wirklich nicht. Lebensqualität, Vereinsleben und Wirtschaft sind intakt. Die Gemeinde Klettgau ist seit Jahren schuldenfrei. Was braucht es mehr? Ärmlich? Vielleicht nach den Maßstäben von Globalisierungsfanatikern und verwöhnten Kreisstädtern.

Zahlensalat

Das Widerwärtige an Zahlen ist, dass sie lügen. "2005 fünf Einwohner mehr in Klettgau", solch eine Meldung kann nicht stimmen! Hand aufs Herz - wer hat nicht schon nach seinen Umzug erst Wochen später ans Einwohnermeldeamt gedacht? Und was ist mit dem Monteur, der eigentlich mehr in Thailand als in seinem Klettgauer Appartement daheim ist, dem Zöllner, der monatelang die Schulbank im fernen Norden drückt? Da scheiden schon mal mindestens zwei statistische Einwohner dahin.
Ein ordentlicher Sonderfall sind die Rathauschefs. Sie gelten an ihrem Wohnort als Bürger, aber noch einmal an ihrem Amtssitz. Zählt Georg Eble nun als Wutöschinger oder Klettgauer, Volker Jungmann als Klettgauer oder Hohentengener? Macht wieder zwei Zähler weniger in der Statistik. Nehmen wir noch ein Scheidungskind dazu, das den Großteil des Tages bei der Oma in Lauchringen verbringt, dann sind die fünf kleinen Negerlein - äh, Neu-Klettgauer - sehr schnell alle.
Überhaupt Kinder: Nicht jedes Neugeborene findet sich unter der Überschrift "Geburten". Wer im Ausland, und dazu zählen halt Schaffhausen oder Zürich, den ersten Atemzug tut, wird vom Statistischen Landesamt als Zugereister registriert. Das geht übrigens davon aus, dass selbst nach der Volkszählung von 1987 die tatsächlichen Daten um etwa fünf Prozent vom ermittelten Ergebnis abwichen. Damit hätte Klettgau heute "nur" 7 070 Einwohner oder um Fasnacht herum könnte das Einwohnermeldeamt zum Fototermin mit dem 7 777. Bürger bitten; Zahlenstatistisch gesehen beides völlig korrekt!

Tschüssili

Haben Sie es auch schon gehört? Dieses Tschüssi und Tschüssli? Irgendwie tönt es ein wenig nach Kindergarten oder Pubertät. Aber wenn der Kollege am Arbeitsplatz, die Metzgereiverkäuferin im Laden sich so verabschieden, dann stellt sich die Frage, was soll uns das sagen? Dass der Kollege noch immer an seiner sächsischen Heimat fest hält, täglich Rügenwalder Teewurst aufs Pausenbrot schmiert, die Metzgereiverkäuferin sich schon in ihrem Kleinwagen sieht, den sie mit unzähligen Plüschtieren und Sitzbezügen aus Kuhfellimitat dekoriert hat?
Bei der alemannischen Muettersproch-Gsellschaft ist dieses Tschüss mit seinen Varianten nicht beliebt. So wenig, dass sie einen eigenen Aufkleber heraus gebracht hat: "Mir sage em TSCHÜSS ad(j)ee!" Also: Tschüssi - äh Adjee!

Hoch Badnerland

Kennen Sie Emil Dörle? Macht nichts! Wichtig ist nur, dass Sie alle Strophen von "Hoch Badnerland" mitsingen können. Die "Nationalhymne" der Badner stammt nämlich aus seiner Feder. Die war übrigens recht spitz, denn Dörle arbeitete beim Finanzamt. 1886 in Herbolzheim geboren, 1964 in Freiburg gestorben, engagierte er sich außerdem in seiner Freizeit für die Blasmusik.
Vielleicht mag es mit an seiner Biografie liegen, wenn vor allem die Beamten in Badens Gauen dieses Lied ganz oben auf ihre Hitliste setzen. Nicht nur beim Polizeimusikkorps Karlsruhe gehört es zum ständigen Repertoire. Selbst in den Noten der Stadtmusik Schaffhausen, die eigentlich mit dem "Munotmarsch" gut bedient ist, findet sich Dörles Komposition. Inzwischen zeigt die "Hymne" aber Abnutzungserscheinungen. Zum Abschluss seiner Hauptversammlung verzichtete der Musikverein Erzingen diesmal auf das Abspielen und stimmte "In der Weinschänke" an. Aber es geht auch anders: Mittlerweile ist im einschlägigen Notenfachhandel eine neues Arangement erhältlich: "Swingin Hoch Badnerland".

Schweizer Luft

Die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Klettgau verträgt keine Schweizer Luft. Das jedenfalls ist die Schlussfolgerung von Kommandant Andreas Kuhnert. Das Rettungsgerät war bei einer Übung in Oberhallau im vergangenen Jahr im Einsatz. Als dort beim Altersheim die Drehleiter für eine Evakuierung ausgefahren werden sollte, verweigerte sie ihren Dienst. Wieder zurück am Feuerwehrgerätehaus in Grießen funktionierte sie tadellos.
Dennoch suchten die Feuerwehrleute akribisch nach dem Fehler. Sogar ein Techniker der Herstellerfirma kam, um sich an der Fehlersuche zu beteiligen. Schließlich stellte sich heraus, das Versagen beruhte auf einem kleinen Bauteil, einem Sensor. Für die Beteiligten zeigte dies einmal mehr, wie wichtig Übungen sind. Im Ernstfall wären ihnen bei einem Ausfall der Drehleiter wohl einige Fragen gestellt worden.

Organisierte Narretei

Da machen sich die Narren so viel Arbeit: Sitzungen, Reden schreiben, Einladungen an befreundete Vereine verschicken, Kostüme richten, Straßenabsperrungen beantragen, Narrenbaum organisieren, und, und, und... Außenstehende wundern sich manchmal, wie da noch so etwas Privatleben bleibt. Aber oft genug ist gleich die ganze Familie mit dem Fasnachtsvirus infiziert.
Erhebliche Arbeit investierten in Klettgau die Narrenvereine auch in ihre Internetseiten. So kann (theoretisch) weltweit jeder am fasnächtlichen Geschehen Klettgaus teilnehmen. Bilder von Veranstaltungen und Erklärungen zu Masken und Häs gehören hier zum Standard. Wer allerdings eine Woche vor dem Höhepunkt der Fasnacht nach den aktuellen Narrenfahrplänen Ausschau hält, kann erhebliche Unterschiede fest stellen.
Die "Erzinger Rebfüdle" schreiben gerade ein paar Stichworte in den Kalender. In Grießen ist beim Narrenverein die "alte Fasnacht" von 2005 noch präsent. Die "Lättä-Schübel" aus Rechberg sind beim "Schmutzige Dunschdig" schon etwas ausführlicher. Der Narrenverein Bühl-Riedern hingegen leistet sich nicht nur ein ganzes Jahresprogramm. Hier stehen sogar die genauen Uhrzeiten und Veranstaltungsorte bei den Terminen; Einfach vorbildlich!


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Finanzausgleich

Was ist ein "Kommunaler Finanzausgleich"? Klettgaus Rechnungsamtsleiter Andreas Merk brachte dies in einer Bürgerversammlung auf eine griffige Formel: "Die Reichen Gemeinden füttern die Armen durch - das nennt man Solidarität". Für Klettgau heißt dies, dass die Gemeinde 2005 in diesen Ausgleichstopf 1,5 Millionen Euro einzahlte, aber gerade eine Million Euro wieder zurück bekam. Mit dem Differenzbetrag von einer halben Million Euro lässt sich einiges anstellen; zum Beispiel ein Feuerwehrgerätehaus bauen, wie in Hohentengen, wie Bürgermeister Volker Jungmann dazu bemerkte. Aber auch Klettgau muss nicht darben. Für das Hochwasserrückhaltebecken bei Weisweil werden voraussichtlich drei Viertel der Kosten vom Land übernommen. Aber das ist wieder ein ganz anderer Topf.

Frittenbadewanne

Was wäre ein zünftiges Fest ohne den Geruch von frittierten Pommes und gebratenen Schnitzeln? Ketchup dazu, und fertig ist ein veritables Menü! So darf in den Klettgauer Gemeindehallen eine Fritteuse nicht fehlen. In Erzingen und Grießen gehört solch ein Küchengerät fest eingebaut zur Grundausstattung der Hallenküche. Um zu sparen, hat die Gemeinde noch eine mobile Ausführung angeschafft. Die steht in Rechberg und bekam nun von Bürgermeister Volker Jungmann die offizielle Bezeichnung "gemeindeeigene Rechberger Fritteuse" verpasst. Schließlich soll sie auch in den anderen Ortsteilen bei Festivitäten zur Verfügung stehen. Allerdings nicht bei allen! Privatfeiern müssen ohne die kommunale Frittenbadewanne auskommen. Der Rathauschef kündigte jedenfalls an, er werde ein wachsames Auge darauf haben, vielleicht ja zudem noch eine noch eine aufmerksame Nase.

Doppelter Narrenbaum

Geißlingens Wald wird derzeit arg geplagt - auch von den Narren! Der Borkenkäfer hält im Augenblick Winterschlaf, dafür haben die Sika-Hirsche entdeckt, wie wohlschmeckend die Rinde der Geißlinger Bäume ist. Davon überzeugte sich kürzlich der Klettgauer Gemeinderat bei einem Termin vor Ort. Seitdem soll sich die Zahl der von Sikas angefressenen Bäume sogar noch verdoppelt haben.
Auf das Konto der Grießemer Narren geht allerdings der Verlust von zwei stattlichen Fichten. Sie bedienten sich für ihren Narrenbaum im Nachbarforst. Nummer eins brachten sie am frühen Morgen des "Schmutzige Dunschdig" in den Ort. Kurz vor dem Ziel teilte ein Auto das Prachtstück in zwei Teile. Es blieb bei Blech- und Holzschaden. Dafür kamen die Narren ins Schwitzen. Sie mussten nun Baum Nummer zwei heran schaffen. Jetzt sich die Frage, ob der Ersteigerer des Narrenbaums bei der Fasnachtsverbrennung das Holz von beiden Bäumen erhält oder tatsächlich zwei Bäume zur Versteigerung kommen.

Winzerregen

Irgendetwas muss bei den Erzinger Winzern in diesem Jahr völlig daneben gegangen sein. Nicht nur bei ihnen! Von einem chaotischen Jahr im Weinberg erzählte schon Martin Stoll, der Vorsitzende der Winzergenossenschaft beim Empfang der Ehrengäste anlässlich des Winzerfests. Wetterturbulenzen, Anomalien im Jahreslauf, ungewohnte Beobachtungen beim Rebenwuchs, waren seine Beobachtung. Dennoch hielten sich die Reben bislang tapfer. Ausfälle seien nicht zu befürchten, so die bisherige Einschätzung von Stoll.
Die Winzer mögen es gern hören, doch was sich seit Beginn des Winzerfests abspielte, scheint doch zu belegen, dass irgendwo der Wurm drinnen ist. Nicht unbedingt in den Reben, aber irgendwo anders. Die Absage des Winzerfestumzugs ist seit über zwei Jahrzehnten einmalig. Um so mehr erstaunte, dass mit den Böllerschüssen der Klettgau-Kanoniere an jenem denkwürdigen Sonntag die himmlischen Regenschleusen ihren Betrieb einstellten.
Und jetzt genau das Gegenteil. Der Erzinger Kindergarten wollte den Umzug nachholen, denn die Kinder hatten sich mit Eifer auf den Winzerfestumzug vorbereitet. Pünktlich um elf Uhr am Montag begann der Zug und die Regenwolken öffneten sich. Dass es am Motto einer Gruppe lag, die "Eine Seefahrt, die ist lustig" wählte, weist die Leiterin Doris Wehinger entschieden von sich.
Ein Landwirt aus der Gemeinde sieht das anders. Er will an die Tage, an denen die Winzer eine Veranstaltung planen, künftig im Kalender notieren. Nämlich deshalb, weil er wegen Regen an diesen Tagen nicht aufs Feld kann.

Essgewohnheiten

Manch Ehrenmitglied eines Fußballclubs erzählt noch gerne die Geschichte, wie in der Nachkriegszeit im Verein geschlemmt wurde. Egal ob sie mit ihrer Mannschaft ein Spiel gewannen oder verloren, im Anschluss gab es mindestens ein kräftiges Vesper. Außerdem ging den Hauptversammlungen meist ein deftiges Essen voraus. In der Zeit des Mangels war es oft eine der wenigen Gelegenheiten, einmal richtig satt zu werden. So wundert es nicht, wenn selbst noch heute ein dicker Schinken, geräucherter Speck oder ein Faß Bier zu den Hauptpreisen eines Grümpelturniers gehören.
Allerdings ist der Fußball internationaler geworden, genauso wie die Teilnehmer. Wenn türkische Fußballclubs die Tabellenspitze der Regionalliga stürmen, wenn bei der Fußball-WM eine iranische Mannschaft mitspielt, bringen diese einen völlig anderen kulturellen Hintergrund mit. Die Iraner wird während der WM nur männliches Personal bedienen. Ebenso verzichten sie auf Schweinefleisch und Alkohol, wie es ihnen der Islam gebietet. Bei Türken ist das nicht viel anders.
Die Organisatoren von Grümpelturnieren müssen deshalb nun langsam umdenken. Immer öfter treten Mannschaften mit islamischen Mitspielern an. Die Frage an die Sieger, ob sie Speck oder Bier überhaupt als Preis mit nach Hause nehmen wollen, wird inzwischen zur Gewohnheit. Der Gutschein für ein paar Kisten Mineralwasser aus dem Getränkemarkt ist bei einem Nein nur eine Notlösung, Tiefkühlgeflügel ebenso. Vielleicht regt ja jetzt die Weltmeisterschaft zu ein paar anderen Ideen an.

Weinbaukonkurrenz

Die Weinbau-AG der Hauptschule Klettgau hat Tradition. Seit 1999 besteht sie und ihr Ziel ist es, junge Klettgauer mit der Arbeit der Winzer hautnah vertraut zu machen. Das Interesse an den Erzeugnissen der Schülerarbeit ist groß. Nicht nur im Kultusministerium in Stuttgart kamen schon ein paar Flaschen mit dem Wein vom Kapellenberg an. Das Regierungspräsidium Freiburg greift ab und zu ebenfalls auf ein Kontingent zurück, das es in Erzingen bestellte.
Allerdings wächst derzeit Konkurrenz für die Klettgauer. In Hohenhaslach bei Vaihingen an der Enz ist seit 2004 ebenfalls eine Weinbau-AG an einer Hauptschule aktiv. Allerdings musste sie erst einmal ihre Rebstöcke selbst pflanzen. Bis die im Ertrag stehen, heißt es Themen rund um den Weinbau zu erarbeiten und Dokumentationen erstellen. Finanzielle Unterstützung kommt hier von einem Privatunternehmen: Der Schraubenhersteller Würth fördert das Projekt über ein "Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung". Ob das den Kontakt, das Wissen und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Winzern ersetzen kann? An der Hauptschule in Erzingen klappt das jedenfalls hervorragend, wie alljährlich beim "Schuelwii-Fest" betont wird.

Schulwein

Die Weinbau-AG der Hauptschule Klettgau hat Tradition. Seit 1999 besteht sie und ihr Ziel ist es, junge Klettgauer mit der Arbeit der Winzer hautnah vertraut zu machen. Das Interesse an den Erzeugnissen der Schülerarbeit ist groß. Nicht nur im Kultusministerium in Stuttgart kamen schon ein paar Flaschen mit dem Wein vom Kapellenberg an. Das Regierungspräsidium Freiburg greift ab und zu ebenfalls auf ein Kontingent zurück, das es in Erzingen bestellte.
Allerdings wächst derzeit Konkurrenz für die Klettgauer. In Hohenhaslach bei Vaihingen an der Enz ist seit 2004 ebenfalls eine Weinbau-AG an einer Hauptschule aktiv. Allerdings musste sie erst einmal ihre Rebstöcke selbst pflanzen. Bis die im Ertrag stehen, heißt es Themen rund um den Weinbau zu erarbeiten und Dokumentationen erstellen. Finanzielle Unterstützung kommt hier von einem Privatunternehmen: Der Schraubenhersteller Würth fördert das Projekt über ein "Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung". Ob das den Kontakt, das Wissen und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Winzern ersetzen kann? An der Hauptschule in Erzingen klappt das jedenfalls hervorragend, wie alljährlich beim "Schuelwii-Fest" betont wird.

Weltstadt Klettgau

Was haben der Hamburger Stadtteil Harburg und die Gemeinde Klettgau gemeinsam? Wohl ziemlich wenig, wenn es da nicht die Verbindung nach Clisson gäbe. Ja, auch im Norden der Republik wird die Partnerschaft mit dem Ort in der Bretagne gelebt und gefeiert. Und das immerhin seit 21 Jahren.. Die Gesamtschule Harburg pflegt nämlich schon so lange den Schüleraustausch nach Clisson. Eine der Attraktionen dabei ist übrigens das Segeln. Kein Wunder, denn schließlich liegen beide Orte am Meer.
Rein von der Fahrtstrecke her betrachtet liegen Harburg und Klettgau übrigens nicht einmal so weit auseinander, zumindest von Clisson aus gesehen. In den Klettgau sind die Franzosen gut zehn Stunden unterwegs, nach Hamburg gerade zwei Stunden mehr. Wenn also demnächst wieder einmal Gäste aus Clisson in Grießen Erzingen oder einem anderen der sieben Ortsteile eintreffen, dann wissen die Gastgeber: Wir haben hier mehr zu bieten, als eine große Weltstadt.

Damenjagd

Heute beginnt in Klettgau die Damenjagd. Aber halb so wild: Es wird nicht scharf geschossen! Vielmehr geht es darum, dass Reiterinnen - und Reiter - lernen, im Freien nicht nur zu reiten, sondern wie Lützows verwegene Jagd über Hindernisse zu springen. Das ist nämlich für Pferd und Reiter etwas ganz anderes, als in einer Halle oder bei einem Turnier über die dort aufgestellten Hindernisse zu springen.
Eingeladen dazu hat der Reitstall Wolfsgrube von Franz Winter als Vorbereitung zur Fuchsjagd am Sonntag. Auch deren Name hört sich schlimmer an, denn Meister Reineke geht es dabei nicht an den Kragen. Etwa 15 Hindernisse müssen von den Teilnehmern während des Kilometerlangen Ritts im Grünen übersprungen werden. Einzig am Ende geht es um den Fuchsschwanz, ein Stück Fell, das die Teilnehmer ergattern wollen. Ist das gefangen, ist die Jagd vorbei.
Aber Franz Winter hat noch andere Ideen für Roß und Reiter parat. Jüngst führte eine Reitergruppe von ihm in Bühl ein Stafettenspiel vor, bei dem Bälle zu transportieren waren. Oder dann ist da das Ringstechen, bei dem mit der Reitgerte in ein aufgehängtes Ziel hinein gestochen werden muss. An Fasnacht lässt er seine Reiter schon mal vom Pferd aus nach Würsten schnappen. Kein Wunder, wenn derart durchtrainierte Reitschüler dann bei Turnieren die Siege abräumen. Bei einem Turnier in Tiengen wurden sie nicht nur Ringmeister, sondern belegten noch weitere Plätze an der Spitze. Rennen und Schwimmen mussten sie dabei selbst, bei Dressur und Springen durften sie ihr Pferd benutzen. "Es soll Spaß machen", ist Winters Devise, und so ist dann auch die Damenjagd zu verstehen - Spaß beim Reiten.


Wilderer

Es war einmal - ein Wilderer im schönen Klettgau! Schon vergessen? In Zeiten der Nachrichtensintfluten kein Wunder. Doch fast hätte es der junge Mann, Koch und Metzgermeister in Deutschlands auflagenstärkstes Boulevardblatt - und damit zu zweifelhaftem Ruhm - geschafft. Ein Mitarbeiter aus Stuttgart setzte sich auf seine Fährte, doch der Schuß (mit der Kamera) blieb ihm versagt. Kein Bild - also kein Ruhm.
Doch ganz so ist es doch nicht. Das Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg zeigt derzeit unter dem Titel "Verbotene Jagd" Jennerwein & Co. eine ganze Ausstellung. Dabei räumt es mit dem Vorurteil auf, bei den Wilderern habe es sich um eine Mischung aus Robin Hood und Mutter Theresa gehandelt. Während allerdings einst im Vordergrund stand, den kärglichen Speisezettel mit Wildbret anzureichern, gibt es heute keinen Grund mehr dazu, wenn Discounter es zu Billigstpreisen inserieren, so das Fazit der Ausstellung.
Um so erstaunlicher fanden es die Organisatoren, dass heutzutage dennoch ein Wilderer unterwegs war und dafür ein Jahr Gefängnis auf Bewährung kassierte. Als aktuelles Beispiel in der Ausstellung widerfährt dem Klettgauer also doch noch die zweifelhafte Ehre, als Jennerweins Erbe in die Annalen einzugehen.



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© Manfred Hüfner; Drogenkonsument, Igel, Formel I, Türkische Geschäftsleute, Schweizer Grenzwächter, Skateboarder
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